Magazin Beitrag

Tatort Netzwerk

Wie weit reichen die Kreise des rechten Terrors? Eine Bestandsaufnahme
Tatort Netzwerk
Bild von katerna

Als hätte das Jahr 2011 nicht bereits eine erschöpfende Anzahl an umwälzenden Entwicklungen hervorgebracht, entrollt sich seit dem 4. November die umfangreichste Serie von rechten Gewalttaten, welche die Bundesrepublik gesehen hat. Doch das ganze Ausmaß ist noch ungeklärt, denn aus den Puzzleteilen, die an die Öffentlichkeit drangen, fügt sich kein klares Bild zusammen. Viele Fragen bleiben offen. So ist nicht einmal geklärt, ob die Taten von einer Zelle oder einem Netzwerk verübt wurden. Welche Rolle spielten die Geheimdienste in der militanten rechten Szene? Die zahllosen Aspekte dieses Falles, die fortlaufend auftauchenden neuen Spuren in alle Himmelsrichtungen verwirren Ermittler, Journalisten und Öffentlichkeit. Dieser Bericht fügt zahlreiche Medienberichte und Analysen zusammen, um einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten. Im Zentrum steht die Frage, ob die Taten einem Netzwerk rechter Gewalt zuzurechnen sind.

Die Protagonisten

Es war Freitag, kurz vor Mittag. Die Sonne schien auf die Kleinstadt Eisenach, als eine Polizeistreife in eine verschlafene Seitenstraße eines Vorortes einbog. Der Wagen hielt, denn die Beamten hatten gefunden, wonach sie suchten. Zwei Stunden zuvor wurde nur einige hundert Meter entfernt eine Sparkasse überfallen. Ein Zeuge hatte gesehen, wie zwei Männer auf einem nahe gelegenen Parkplatz ihre Fahrräder in ein Wohnmobil einluden und davon brausten. Nun stand vor den Polizisten ein Wohnmobil, in dem sie die Bankräuber vermuteten. Sie riefen Verstärkung, verließen ihr Auto und näherten sich mit gezogenen Waffen dem Wagen. Aber sie kamen nicht dorthin. Sie hörten mehrere dumpfe Geräusche, und das Wohnmobil ging in Flammen auf. Darin verbrannten die Leichen von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.

Die Polizisten ahnten nicht, daß sie soeben das letzte Kapitel einer der rätselhaftesten Kriminalfälle dieses Landes aufgeschlagen hatten. Seitdem liegen vor einer schockierten Öffentlichkeit zahllose verstreute Puzzleteile einer Geschichte, die nicht recht Sinn ergeben will. Wenig wissen wir über die drei Protagonisten dieses Stückes: Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe stellen das Nazi-Trio dar, welches die Republik in Atem hält: Mundlos in der Rolle des Planers, Böhnhardt der Waffennarr, Zschäpe die devote Mitläuferin. Doch stimmt dieses Bild, das die Medien zeichnen? Wir wissen es nicht. Denn wir kennen ihre Motivation, ihre Persönlichkeit nicht. Die drei bleiben für die Öffentlichkeit eine Black Box. Daran ändert auch der Bekennerfilm wenig. Aus den schrägen Reimen, die Paulchen Panther in dem Mund gelegt werden, ergibt sich kein schlüssiges Motiv, kein Bekenntnis1. Selbst erfahrene Ermittler sind verblüfft von der eigensinnigen Machart dieses Filmes. Einzig der erste Satz verrät etwas über die Struktur: »Der nationalsozialistische Untergrund ist ein Netzwerk von Kameraden […].«

Die Taten aber waren sorgfältig geplant, nicht aus spontanen Hass, nicht im Affekt begangen. Die Täter kundschafteten die Tatorte vorher aus, hinterließen an diesen kaum Spuren, machten sich auf Fahrrädern aus dem Staub, luden sie in ihre Wagen, brausten davon und warteten nur ein kleines Stück weiter die Ringfahndung ab. Die Methoden der Polizei zur Fahndung waren ihnen also bekannt. Gefundene Aufzeichnungen belegen die penible Planung der Taten. Sie konnten funktionierende Bomben bauen oder bauen lassen. Sie fühlten sich ihren Opfern und dem Staat überlegen – dieses Detail verrät das skurrile Filmchen. Denn sie lebten dreizehn Jahre unerkannt im Untergrund. Dreizehn Jahre, in denen sie mordeten und raubten, und ihnen niemand auf die Schliche kam. Sie lebten mit einer falschen Identität – mit Decknamen2 und Legenden.

Auch heute noch sind die Geheimnisse dieser Gruppe, die sich Nationalsozialistischer Untergrund nannte, nicht aufgehellt. Ungeklärt bleibt, ob die Gruppe wirklich nur aus drei Personen bestand. Denn Geschichten lieben Protagonisten. Ungeklärt ist, wovon sie ihr Leben im Untergrund finanzierten. Wohnungen, Reisen und Waffenbeschaffung sind nicht billig. Nach bisherigen Stand wurden bei 14 Banküberfällen etwa 600 000 Euro erbeutet. Davon wurde jedoch 111 000 Euro in dem Wohnmobil gefunden, weiteres Geld soll an lokale Gruppen verschickt worden sein. Rechnet man 400 000 Euro auf dreizehn Jahre von 1998 bis 2011 bleiben am Ende 800 Euro pro Person und Monat – nicht gerade viel für eine Leben im Untergrund3. Allerdings tauchten auch Gerüchte auf, nach denen Böhnhardt als Paketfahrer gearbeitet haben soll.

Die Taten

Die Ermittler schreiben der Gruppe in den 13 Jahren im Untergrund zwei Serien zu4: Einerseits gehen mindestens 14 Banküberfälle 1999-2011 auf ihr Konto, alle in Ostdeutschland und vornehmlich in Zwickau und Chemnitz; andererseits 9 Morde an Migranten 2000-2006, mit einer Ausnahme alle in Westdeutschland begangen. Daneben wird der Gruppe ein Nagelbombenattentat in Köln 2004 mit zahlreichen Verletzten fest zugerechnet. Einzig der Mord an einer Polizistin in Heilbronn 2007 fällt aus dem Raster der ausländerfeindlichen Taten. Die Ermittler gehen davon aus, daß Böhnhardt und Mundlos alle Morde, Anschläge und Bankraube alleine begingen. Denn bisher sind für die direkte Beteiligung weiterer Personen keine stichhaltigen Indizien bekannt.

Zwischen 1999 und 2007 folgten Banküberfälle und Morde Schlag auf Schlag. Im Jahre 2001 reihten sich drei Morde im Abstand weniger Wochen, worauf dann zwei Jahre lang nur einige Banküberfälle belegt sind. Bislang ist kein logisches Muster in der Abfolge sichtbar. Ein Mord am 13. Juni 2001 in Nürnberg fiel auf den Tag des endgültigen Verbots von „Blood and Honour“ – Böhnhardt und Mundlos hatten für dieses Netzwerk in den 90er Jahren Konzerte veranstaltet. Ein weiterer Mord in München am 15. Juni 2005 erfolgte wenige Wochen auf die Verurteilung des Rechtsradikalen Martin Wiese, der für einen geplanten Anschlag auf eine jüdische Einrichtung angeklagt war – in unmittelbarer Nähe zu Wieses früherer Wohnung. Über diese zeitlichen Überscheidungen hinaus ist ein logisches Muster der gewählten Orte und Personen aber auf den ersten Blick nicht erkennbar – sieht man von der Aufteilung der Bankraube auf Ostdeutschland und der Morde und Anschläge mit einer Ausnahme auf Westdeutschland ab.

Allerdings wird auch ein Zusammenhang zu zahlreichen unaufgeklärten, spektakulären Straftaten untersucht: Der Anschlag auf die Wehrmachtsausstellung 1999 in Saarbrücken, ein Anschlag in Düsseldorf mit zahlreichen Verletzten 2000, eine Sprengfalle in Köln 2001, eine Serie von 11 Bränden in Völklingen 2006-2011, mehrere Sprengsätze auf jüdischen Friedhöfen in Berlin (1998 und 2002), ein Brand mit 9 Toten in einem Haus in Ludwigshafen 2008, sowie zwei weitere Morde 2001 in der Schweiz sowie 2011 in Döbeln.

Anfang 1998 tauchte die Gruppe in Jena mit Hilfe lokaler Nazigrößen unter. Ihr Aufenthaltsort in dem Jahr nach dem Abtauchen ist nicht bekannt – mitunter wurden sie im Ausland vermutet. Zwischen 1999 bis 2001 sollen sie in einer Wohnung im Süden von Chemnitz gelebt haben. Dabei erhielten sie laut Freier Presse umfassende Unterstützung durch die lokale Nazi-Szene. In diese Zeit fallen bereits 4 Banküberfälle nur in Chemnitz. 2001 zog die Gruppe offenbar nach Zwickau, wo ein Unterstützer ihnen zwei Wohnungen vermietete. Dort hatten sie bis zu ihrem Ende ihren Wohnsitz. Der niedrige Wasserverbrauch in Zwickau lässt allerdings eine umfangreiche Aufenthalte anderenorts vermuten – möglicherweise durch Reisen im In- und Ausland oder weitere Wohnsitze. Doch über das tatsächliche Bewegungsprofil wissen wir bislang wenig. Alleine zur Begehung ihrer bekannten Taten müssen sie jedoch tausende von Kilometern zurückgelegt haben.

Das Netzwerk

Mittlerweile sind etwa 20 Personen beschuldigt worden, dem engeren Umfeld der NSU anzugehören – mit klaren Schwerpunkt in der Region Thüringen und Sachsen. Doch die Gruppe reiste auch durch das Bundesgebiet. Hatten Sie Verbindungen oder Mitwisser an ihren Tatorten? Zählten hier weitere Personen zu ihrem Netzwerk?

»Kampfbund Deutscher Sozialisten« mit Thomas Gerlach (2.v.l.) und Axel Reitz (r.) Bild von Indymedia

An fast allen Schauplätzen der Attentate bestanden militante rechte Strukturen. In Nürnberg, wo alleine drei Morde ausgeführt wurden, ist ein lokaler Mitwisser belegt. Denn eine Bekenner-DVD wurde persönlich bei der lokalen Zeitung Nürnberger Nachrichten eingeworfen, die auch in dem Film selbst eingeblendet wird. In Köln dagegen, wo eine Nagelbombe explodierte, hat der WDR einen Zeugen ausgemacht, der Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe im November 2009 bei einer Veranstaltung der Freien Nationalisten Köln in Erlstadt gesehen hat. Der lokale Kader Axel Reitz habe diese persönlich eingelassen. Reitz hatte Kontakte zu Thomas Gerlach und zur Schweizer Partei Partei National Orientierter Schweizer (PNOS).

Die enge Verbindung des NSU-Umfeldes zu fränkischen Nazistrukturen hat Report München recherchiert. Als besonders aktiv galt hier bis zu ihrem Verbot Anfang 20045 die Fränkische Aktionsfront (FAF). Enge Verbindungen zwischen der Thüringer und der fränkischen Neonaziszenen sind bekannt. Einer deren Führungsfiguren der FAF, Matthias Fischer, wird auch in Zusammenhang mit den Netzwerken Blood & Honour sowie zu Combat 18 genannt. Die FAF pflegte auch Verbindungen zum Aktionsbüro Nord in Hamburg sowie zur Kameradschaft Süd in München. Das Aktionsbüro Nord bündelte zahlreiche Strukturen, so auch Blood & Honour „Sektion Nordmark“ und „Combat 18 Pinneberg“. Als führende Kader gelten Thomas Wulff und Christian Worch, der in Verbindung mit Reitz steht. Mitglieder der Kameradschaft Süd wurden wegen eines geplanten Anschlags am 9.11.2003 auf das jüdische Zentrum verurteilt – sie hatte den Konfidenten Didier Magnien in ihren Reihen, welcher die Gruppe angestachelt haben soll.

Eine der Morde der NSU in München wurde in unmittelbarer Nähe zur Wohnung des Kopfes der Kameradschaft Süd verübt – drei Wochen nach seiner Verurteilung 2005. Ein weiterer Mord in München 2001 wurde nahe des Nazi-Treffpunktes zum Glaskasten begangen. Eine direkte Verbindung zwischen dem Umfeld der NSU und der Kameradschaft Süd bestand durch Thomas Gerlach, der zusammen mit dem Gründer der Kameradschaft, Norman Borodin, führendes Mitglied im Kampfbund Deutscher Sozialisten war.

Ebenso bei dem Mord in Dortmund lag die Nazi-Kneipe „Deutscher Hof“ in unmittelbare Nähe. Aber auch die Kneipe „Störtebeker“ des als V-Mann enttarnten Sebastian Seemann war nur einige hunderte Meter vom Tatort entfernt. Seemann wurde dem Umfeld der Band Oidoxie zugerechnet, welche der Blood & Honour Szene ebenso nahe steht wie der militanten Gruppe Combat 18 Sauerland. Auch soll er enge Kontakte zur belgische Blood & Honour Szene gepflegt haben – so auch zur Gruppe „Bloed Bodem Eer Trouw“ (BBET), die 2006 wegen einer Reihe von geplanten Attentaten aufflog, die Islamisten in die Schuhe geschoben werden sollten. Neben Oidoxie, die beim »Thüringentag der nationalen Jugend« ein- und wieder ausgeladen wurden, unterhält Dennis Giemisch von den Autonomen Nationalisten Dortmund Kontakte nach Thüringen zu Ralf Wohlleben und nach Franken zum Freien Netz Süd. Giemisch und Oidoxie sind durch gemeinsame Veranstaltungen mit Christian Worch in Hamburg  bekannt.

Axel Reitz mit Christian Worch Bild von Wikipedia

In der Zeit des Mordes in Hamburg (2001) war vor den Stadttoren die Gruppe Combat 18 Pinneberg aktiv (2001-2003), die zum Blood & Honour-Netzwerk zählt. Über das Aktionsbüro Nord bestanden darüber hinaus zahlreiche Kontakte zur rechten Szene in Niedersachsen sowie zu den Kadern Christian Worch und Thomas Wulff. Doch auch Rostock ist für eine starke rechte Szene bekannt und in Kassel findet sich ein Link nach Jena. So ist in Rostock die »Weiße Bruderschaft« der Hammerskins aktiv. Kassel ist dagegen der einzige Ort der Mordserie ohne eine starke rechte Szene – lediglich die Gruppe Freier Widerstand Kassel ist in dem Viertel des Mordes aktiv. Einer der Mitglieder, der CDU-Politiker Daniel Budzynski, hatte einen bewaffneten rosaroten Panther nach Bekanntwerden der Mordserie als Profilbild bei Facebook. Über ein anderes Mitglied findet sich eine vage Verbindung zu Blood & Honour.

Auch bei weiteren Verdachtsfällen, bei denen eine Täterschaft der NSU ungeklärt bleibt, wurde über Verbindungen berichtet. Bei den Bränden in Ludwigshafen und Völklingen hatte die Polizei vor dem Skandal einen rechten Hintergrund ausgeschlossen. In Völklingen im Saarland kam es zu einer Serie von 11 Brandstiftungen, die eine ausländerfeindliche Motivation nahelegen. An diesem Ort erhielt eine Moscheegemeinde eines der Bekennervideos der NSU  – auch hier war die Sendung nicht frankiert. Bei 11 Fällen erscheint eine Täterschaft durch die Thüringer jedoch eher unwahrscheinlich. Stehen sie jedoch in einer Beziehung zu den Tätern, so deutet dies auf ein kriminelles Netzwerk hin. Auch bei dem Bombenanschlag auf die Wehrmachtsausstellung im nahen Saarbrücken steht die NSU im Verdacht.

Neu untersucht wird auch ein Brand in einem Haus in Ludwigshafen 2008, bei dem 9 Menschen ums Leben kamen. Laut Berliner Zeitung wird Malte Redeker der Urheberschaft verdächtigt, der als führende Figur der Hammerskin Nation gilt. Ein weiteres Mitglied der Hammerskins und des Aktionsbüros Rhein-Neckar in Ludwigshafen wohnte in unmittelbare Nähe zu dem Haus am Danziger Platz. Nach dem Bericht hatte Redeker Kontakte zu dem sächsischen Hammerskin Thomas Gerlach, der zum Umfeld der NSU gerechnet wird. Ebenso soll bei ihm der rechte Barde Daniel Giese aufgetreten sein. Ein bemerkenswerter Hintergrund zu den Bränden in Völklingen und Ludwigshafen ist die enge Verbindung der Hammerskins (als Chapter Westmark in Rheinland-Pfalz und im Saarland) zwischen diesen beiden Regionen. Die DVD wurde in Völklingen offenbar persönlich eingeworfen – im Nachbarort Bous wohnt ein führender Hammerskin. In dieser Region haben die Hammerskins Kontakte ins nahe Ausland und werden als Nachfolgeorganisation von Blood & Honour gesehen.

Aufsehen erregt hat der Meppener Daniel Giese mit dem Lied „Döner-Killer“, das bereits 2010 auf der indizierten CD „Adolf Hitler lebt!“ die Taten der NSU verherrlichte. Die Polizei versuchte in den 90er Jahren erfolglos, Giese eine Beteiligung bei der Band Zillertaler Türkenjäger nachzuweisen – auch in diesem Fall ist der juristische Nachweis eines Mitwissertums Giese und seiner Band „Gigi und die Braunen Stadtmusikanten“ fraglich. Allerdings soll er über seinen Vertrieb eine direkte Verbindung zu Blood & Honour haben. Seine Gruppe trat 2006 beim „Fest der Völker“ auf, einem internationalen Treffpunkt der Szene von Blood & Honour.

Neben dieser Fülle an Indizien für ein deutschlandweites Netzwerk wurde auch über Verbindungen ins Ausland berichtet: Insbesondere Ungarn, Bulgarien, die Schweiz und Belgien wurden genannt. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemein Sonntagszeitung sollen Zielfahnder des BKA die Gruppe 1998 in Budapest und 2000 in Bulgarien aufgespürt haben. Laut dem Spiegel sollen diese Aufenthalte zur Vorbereitung einer gescheiterten Ausreise nach Südafrika gedient haben – diese Spur hat auch der BND sowie das BKA verfolgt. Ziel sei die Ranch des ausgewanderten Rechtsradikalen Claus Nordbruch gewesen. Auf der Ranch hatte bereits u.a. der V-Mann Tino Brandt Schießübungen abgehalten6. Auch ein Aufenthalt in der Schweiz 1998 scheint belegt zu sein – von dort stammte auch die Ceska-Pistole, die bei der Mordserie benutzt wurde.

Der Anfang und das Umfeld

Landesamt für Heimatschutz Bild von Indymedia

Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe haben ihre Karriere in der rechtsradikalen Szene in Jena innerhalb des Thüringer Heimatschutz (THS) begonnen, der als Netzwerk und Dachverband zahlreicher rechter Kameradschaften in dem Bundesland fungierte. Die Organisation geht auf das Jahr 1994 unter dem Namen Anti-Antifa Ostthüringen zurück und war offenbar von Anfang an ein von Thüringer Verfassungsschutz initiiertes Sammelbecken für Neonazis. Der THS wiederum wird dem internationalen Netzwerk Blood & Honour zugerechnet. Die führenden Mitglieder der „Heimatschützler“ Ralf Wohlleben und André Kapke organisierten 2005-2009 maßgeblich fünf Musikfestivals unter dem Label „Fest der Völker“, auf dem zahlreiche Redner und Bands der internationalen Blood & Honour (B&H) - Szene auftraten. Diese Veranstaltung galt als Schnittstelle zur Vernetzung deutscher und internationaler Rechtsaktivisten und verdeutlicht, daß der THS keine rein regionale Organisation war, sondern als deutschlandweite und internationale Schnittstelle fungierte.

Neben dem Thüringer Heimatschutz gilt auch die Weiße Bruderschaft Erzgebirge (auch Brigade Ost genannt) von André Eminger und Matthias Dienelt als Rückhalt für die die drei zentralen Figuren der NSU, die in deren unmittelbaren Aktionsradius in Sachsen untertauchten. Auch diese Organisation wird in zahlreichen Analysen den Netzwerken Blood & Honour sowie Hammerskin Nation zugerechnet. Als dritte Unterstützergruppe werden Maik Scheffler und Thomas Gerlach genannt. Diese gelten als führende Figuren des Freien Netzes (FN)7, einem Zusammenschluss von Kameradschaften. Daneben sollen die beiden ebenso zur sächsischen Gruppe des internationalen Netzwerks Hammerskin Nation (HN) zählen.

Thomas »Ace« Gerlach Bild von Indymedia

Insbesondere Thomas Gerlach wird als Organisator der NSU verdächtigt – Bilder zeigen ihn zusammen mit André Kapke beim „Fest der Völker“ – die Gruppierungen waren engstens verknüpft. Thomas Gerlach ist auch insofern eine interessante Figur, da er über zahlreiche Kontakte verfügte. Er organisierte mit André Kapke und Ralf Wohlleben den Thüringer Heimatschutz und das Fest der Völker. Aber er kannte auch Matthias Fischer in Nürberg, Axel Reitz in Köln und Norman Borodin in München über den Kampfbund Deutscher Sozialisten, Malte Redeker über die Hammerskins in Ludwigshafen, der wiederum ins Saarland seine Leute hat, sowie auch Christian Worch in Hamburg – auch in Rostock ist er nicht unbekannt, darüber hinaus in der Schweiz. In Sachsen war er einer der besten organisierten Kader mit Kontakten zum Label Chemnitz Concerts 88 – und somit (s.u.) in das direkte Umfeld der Gruppe.

Bühne beim Fest der Völker mit Banner von »PC Records« Bild von Indymedia

Laut eines Berichts des Spiegels (Der Spiegel 01/2012), der sich auf ein geheimes Auswertungspapier des Verfassungsschutzes für die Parlamentarischen Kontrollkommissionen stützt, war neben Ralf Wohlleben der Chemnitzer Jan Botho Werner die bedeutendste Kontaktperson der Terror-Gruppierung in der ersten Zeit des Abtauchens. Dieser soll ebenfalls der Weißen Bruderschaft Erzgebirge angehören und als Veranstalter von Chemnitz Concerts 88 aufgetreten sein und das Label Movement Records in der Stadt am Erzgebirge betrieben haben. Somit zählt er auch in das Netzwerk von Blood & Honour und den Hammerskins. Werner soll laut dem Spiegel-Bericht versucht haben, für Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe Waffen zu besorgen.

So zählen nach dem Spiegel-Bericht Ralf Wohlleben und Jan Werner als regste Organisatoren im inneren Kreis der NSU. Diese Version wird auch einem internen Bericht der TLfS gestützt, der dem Focus vorliegt und offenkundig auch in das Auswertungspapier einfloss, das dem Spiegel vorliegt. Doch diese Geheimdossiers beziehen sich nur auf den Zeitraum nach dem Untertauchen.

Im näheren Umfeld der NSU existieren also zahlreiche Schnittstellen zu den beiden internationalen Netzwerken Hammerskins (auch Hammerskin Nation) sowie Blood & Honour. Auch nach seinem Verbot 2000 blieb letzteres Rückgrat der rechten Musik-Szene durch zahlreiche Kontakte. Unverständlich bleibt das Stelldichein seiner internationale Szene beim „Fest der Völker“, das trotz des Verbotes der Organisation in Deutschland stattfinden konnte. Daneben bestanden Nachfolgeorganisationen wie die Division 28 – die Zahl steht für die Anfangsbuchstaben B und H.

Doch auch Böhnhardt und Mundlos selbst waren in den 90er Jahren an der Organisation von Blood & Honor – Konzerten beteiligt. WDR Monitor hat die Parallelen zwischen der Strategie von Blood & Honour und den Taten der NSU herausgearbeitet: Einen Rassenkrieg durch kleine Zellen ohne Bekennerschreiben führen. Genau diese Strategie hat der NSU in die Tat umgesetzt.

Die Bedeutung der Netzwerke Blood & Honour sowie der Hammerskins für die NSU kann nur durch weitere umfangreiche Untersuchungen aufgedeckt werden. Beide koordinieren Veranstalter, Labels und Bands rechtsradikaler Rockmusik. Hammerskin Nations stammt ursprünglich aus den USA und ist nach dem Vorbild von Rockerbanden in Chaptern organisiert und somit fester strukturiert als Blood & Honour. B & H wurde in den 80er Jahren in England gegründet und Anfang der 90er Jahre nach Deutschland importiert. Durch die Gründung des militanten Flügels Combat 18 1993 wurde die Organisation weiter radikalisiert. Von Combat 18 stammt die paramilitärische Strategie des „Leaderless Resistance“, an der sich offenbar auch die NSU orientierte. Anfang der 90er Jahre breitete sich B & H auch in Deutschland aus. Innerhalb der Organisation gab es Deutschland nach dem Verbot 2000 Konflikte um den weiteren Kurs zwischen einer kommerziell orientierten und einer politischen Fraktion.

Zwischen den Hammerskins und Blood & Honour bestand Konkurrenz, doch wurde bei zahlreichen personellen Überscheidungen auch eng kooperiert. Einige Analysen sehen Hammerskin Nation in Deutschland als Auffangbecken für das verbotene Blood & Honour. Erst durch die Aufdeckung der persönlichen Kontakte und Kontinuitäten können die rechten Strukturen nachvollzogen werden.

Fakt ist, daß sich die drei Protagonisten der NSU in einem Umfeld dieser beiden Dachorganisationen bewegten. Ohne die Mithilfe dieses Umfeldes war das Leben im Untergrund nicht denkbar. Fakt ist auch, daß diese Netzwerke an zahlreiche Tatorten präsent waren. Dies beweist jedoch nicht, daß für die Taten nicht eine Zelle, sondern ein bundesweites oder sogar internationales Terrornetzwerk verantwortlich ist. Doch der Blickwinkel bei den Recherchen und Ermittlungen verschiebt sich auf diesen Zusammenhang. So gibt es zahlreiche Indizien für ein umfassendes Terrornetzwerk:

  • Die NSU tauchte in einem Umfeld der beiden Organisationen Blood & Honour sowie Hammerskins unter. Die wichtigsten Unterstützer stehen in diesem Zusammenhang. Thrüringen bzw. Sachsen galten als zeitweise aktivsten Regionen dieser Zusammenhänge. Insofern befand sich die NSU nicht an der Peripherie, sondern am Zentrum dieser Netzwerke.

  • Böhnhardt und Mundlos haben tausende Kilometer im Bundesgebiet zurückgelegt. Sie haben ihre Anschlagziele genau ausspioniert. Bislang ist ungeklärt, wo sie sich dabei aufhielten.

  • Der berichtete geringe Wasserverbrauch in Zwickau legt längere Aufenthalte anderenorts nahe.

  • Sie orientierten sich offenbar an der Strategie von Blood & Honour bzw. Combat 18. Eine Verantwortung für weitere ungeklärte Terroranschläge in Düsseldorf, Saarbrücken, etc. ist zwar fraglich. Bezeichnend ist dagegen, daß sich niemand zu diesen bekannte, so daß ein ideologischer Zusammenhang zu untersuchen ist. Aus dieser Ideologie heraus wurden auf Anschläge in England und Belgien umgesetzt bzw. geplant.

  • Sie konnten zu diesem Netzwerk durch Kontakte im In- und Ausland zurückgreifen. Es liegen glaubhafte Aussagen vor, nach denen die Gruppe sich in Ungarn, Bulgarien und der Schweiz aufhielt. In diese Länder sind Kontakte von ihrem Umfeld beim „Fest der Völker“ belegt.

  • An den Tatorten hat es Kontaktpersonen und Unterstützer gegeben. Auch wenn eine direkte Verbindung zwischen Netzwerk und Taten bislang nur in wenigen Fällen belegt ist, bestanden an zahlreichen Tatorten Strukturen dieses Netzwerkes.

  • Das Vorgehen bei den Banküberfällen, Morden und Bombenanschlägen zeugt von einem professionellen Vorgehen, das vor dem Abtauchen nicht ersichtlich ist. Daher stellt sich die Frage nach einer entsprechenden Ausbildung.

  • Die Bekenner-DVD wurde an zumindest zwei Orten, in Nürnberg und Völklingen persönlich eingeworfen –auch hier müssen die Personen eingeweiht gewesen sein.

  • Auf der Bekenner-DVD wird die NSU als »Netzwerk« bezeichnet.

Bislang ist das Bild einer Zelle eines terroristischen „Nazi-Trios“ mit „Unterstützern“ vorherrschend. Dabei ist fraglich, ob die etwa 20 Personen im direkten Umfeld lediglich in der passiven Rolle als Unterstützer zu sehen sind. Dieser Kreis hat – mit Schwerpunkt in der Region Thüringen und Sachsen – das Untertauchen erst ermöglicht und offenbar auch die Bekennerfilme hergestellt. In diesem Sinne zählt zumindest der harte Kern direkt zur NSU und nicht als Unterstützer. Darüber hinaus steht die Frage im Raum, ob ein terroristisches Netzwerk im Bundesgebiet oder sogar international besteht. Beziehungen zu lokalen Gruppen erscheinen denkbar – vielmehr ist unwahrscheinlich, daß die NSU nicht auf bestehende Kontakte zurückgriff, wie dies bereits beim Abtauchen in Sachsen zutraf. Selbst ein internationale terroristische Struktur ist nicht auszuschließen – wie beispielsweise ein Bezug zur belgischen BBET.

Am Rande

Die eigentümliche Verquickung von Verbindungen wird auch an einem Beispiel deutlich: So spielt auf einer früheren Version der Bekennerfilme, die in den Trümmern der Zwickauer Wohnung gefunden wurde, im Hintergrund die Musik der Rechtsrock-Band Noie Werte. Der Sänger der Band und Anwalt, Stefan Hammer, arbeitete in der Kanzlei H3 zusammen mit der Anwältin Nicole Schneiders, welche nun Ralf Wohlleben vertritt, welcher als einer der wichtigsten Organisatoren für die NSU beschuldigt wird. Hammer wiederum war an der Gründung des Labels German-British Friendship (GBF) beteiligt, durch welches das Britische Blood & Honour Netzwerk maßgeblich in Deutschland verbreitet wurde. Laut dem Antifaschistischen Infoblatt (Nr. 49) soll GBF zusammen mit Carsten Szczepanski 1993 eine Platte produziert haben. Szczepanski wurde später V-Mann des Brandenburger Verfassungsschutzes, der durch seine Verbindung zu Jan Werner Informationen über die NSU an den Dienst weiterleitete. Eine kleine Welt!

Die Ermittler und die Dienste

Eben diesen Verbindungen nachzuspüren, ist eigentlich die Aufgabe des Verfassungsschutzes. Doch der Thüringer Verfassungsschutz (TLfV) unterstützte den Aufbau des Thüringer Heimatschutzes (THS): Eben der Brutstelle der NSU als auch Netzwerkknoten der später verbotenen Blood & Honour.

Erklärungsbedürftig sind sowohl die 200 000 DM, die auf Veranlassung vom TLfV-Chefs Helmut Roewer an den Spitzel Tino Brandt flossen, als auch die Natur dieses Verhältnisses. Roewer wurde beschuldigt, über schwarze Kassen Spitzel auf eigene Rechnung geführt zu haben. Er selbst wiederum ließ gegenüber der Zeit verlauten, die Polizei habe die rechten Strukturen gewarnt und sprach von „Informationsabflüssen“. Darüber hinaus meinte er gar, das Abtauchen der NSU, die vor dem Durchsuchen ihrer Bombenwerkstatt einfach davonfuhren, sei auf Veranlassung höherer Stellen „absichtsvoll schiefgelaufen“. Er schob also, nachdem der TLfV unter seiner Leitung der Deckung der NSU verdächtigt wurde, den schwarzen Peter zurück ans LKA. Die 2000 DM, die der TLfV dem Trio für falsche Papier zukommen lassen wollte, sollten bei der Aufklärung ihres Aufenthaltsortes helfen – ein merkwürdiges Vorgehen, zumal das Geld in keiner Abrechnung auftauchte. Darüber wurde die NSU möglicherweise vom TLfV durch Tino Brandt alimentiert.

Neben Tino Brandt führte der Thüringer Verfassungsschutz zwei weitere Quellen beim Thüringer Heimatschutz. Darunter unter dem Deckname „Riese“ Marcel Degner, den Chef der Thüringer Blood & Honour – Sektion.

Fakt ist, daß die NSU aus einer vom TLfV mit aufgebauten Struktur entstand und bereits in ihrer Jenaer Zeit prototerroristische Taten unter den Augen der Verfassungsschützer beging. Fakt ist auch, daß sie unter den Augen der Polizei abtauchten und der TLfV nicht verhinderte, daß sich Mundlos neue Papiere in Sachsen besorgen konnte.

Auch führte eine Observation in Chemnitz nach ihrem Abtauchen nicht zum Erfolg. Hierzu kursieren bislang widersprüchliche Versionen: Einmal sollen Zschäpe und Böhnhard nur für wenige Sekunden vor einer kameraüberwachten Wohnung in Chemnitz erschienen sein, ohne hineinzugehen (2000). Dabei sollen sich VS und LKA auf den Füßen gestanden sein, indem sie beide diese Wohnung überwachten und dabei gegeneinander gearbeitet haben. Dann wiederum ist von Observationsfotos aus mehreren Jahren (2000 und 2002) die Rede. Laut MDR war gar ein LKA-Zugriff geplant, welcher auf höhere Intervention hin abgeblasen wurde, was zu Protesten der Ermittler geführt haben soll. Zumindest sollen sowohl LKA Thüringen als auch das BKA Zielfahnder nach Chemnitz vor Ort geschickt haben. Eine weitere Version der Geschichte findet sich im Spiegel (01/2012). Auch hier bleibt jedoch weiterhin ungeklärt, warum die Ermittlungen später im Sande verliefen und nicht weiterverfolgt wurden. Niemand erinnerte sich beim Verfassungsschutz an den Fall, als die SoKo Bosporus eine Anfrage zu einem rechten Hintergrund an die Dienste startete.

Ein Schritt zur Aufklärung der wahren Geschichte in Chemnitz können nur die Untersuchungsausschüsse der Parlamente leisten – schließlich sind die Behörden hier keine sachlichen Beobachter, sondern Beteiligte. Die unterschiedlichen Versionen zu der Observation in Chemnitz sind für die Bewertung der Rolle der Behörden von zentraler Bedeutung. Denn falls ein Zugriff von höherer Stelle verhindert worden ist, kann von Pannen kaum noch die Rede sein. Neben dieser unklaren „Pannenserie“ wirkt umso erstaunlicher, daß die Ermittlungsbehörden keine Beziehung zwischen der Bankraubserie in Zwickau und Chemnitz und den abgetauchten und als gewaltbereit bekannten Nazis zogen. Schließlich wussten sie von ihrem Aufenthalt in Chemnitz; weitere Straftaten hätten die Einstellung des Ermittlungsverfahrens verhindert.

Die bekannt gewordenen Fakten reichen für den Nachweis einer Verstrickung der Behörden nicht aus – für eine Entlastung allerdings auch nicht. Von einer echten Aufklärung kann bislang nicht die Rede sein: Noch haben die federführenden Beamten nicht vor einem Untersuchungsausschuss ausgesagt.

Zur Aufklärung bedarf es der Enttarnung aller V-Männer und verdeckten Ermittler zu dieser Zeit. So soll neben den drei Spitzeln, die der TLfV beim THS zumindest führte, der Bundesverfassungsschutz zu der fraglichen Zeit den Chef der sächsischen Hammerskins Mirko Hesse als Spitzel beschäftigt haben. Der Brandenburger Verfassungsschutz bekam Informationen aus Chemnitz von seinem Spitzel Piato in Königs-Wusterhausen. Carsten Szczepanski stand laut Spiegel als Unterstützer der Band Landser in engen Kontakt zu Jan Botho Werner, der den Aufenthaltsort der Gruppe gekannt haben soll.

Somit verfügten unterschiedliche Verfassungsschutzbehörden über drei Quellen im unmittelbaren Umfeld. Ein Bericht der Leipziger Volkszeitung, nach denen Beate Zschäpe gar als Informantin gedient habe, erhärteten sich bislang nicht. Dennoch ist fraglich, ob die Geschichte vom Scheitern der Behörden an mangelnden Informationsfluss bei einem so engen Konfidentennetz haltbar ist.

Bereits die Meldung vom Zurückpfeifen eines Zugriffs in Chemnitz wurde umgehend vom LKA in Thüringen dementiert – hier gilt zu klären, ob die Behauptung, das LKA habe zu keinem Zeitpunkt den Aufenthaltsort gekannt, nicht voreilig war. Ebenso eilig dementierten der baden-württembergische Landesverfassungsschutz sowie der Bundesverfassungsschutz eine Geschichte des Sterns. Dieser stütze sich auf einen Observationsbericht des amerikanischen Militärabschirmdienstes DIA, nach dem Agenten des Verfassungsschutzes den Polizisten-Mord in Heilbronn beobachtet haben. Demnach wären die Rechtsterroristen 2007 bei einer Waffenübergabe mit dem V-Mann Mevlüt Kar gestört worden, der eigentlich auf die sog. Sauerlandzelle angesetzt war. Auch wenn diese Geschichte auf so manchem Redakteur als eine Schraubendrehung zu viel in dem Fall wirkte, wurde hier der ungeklärte Mord erstmals in einen plausiblen Kontext gesetzt – zumal diese Version durch weitere Aussagen in dem Stern-Bericht gestützt wird.

Zumindest ist der dargestellte Hintergrund plausibler als die jüngste Geschichte des BKA, nach denen die Polizisten auf der Theresienwiese über den Haufen geschossen wurden, um an deren Waffen zu kommen. Sie widerspricht nicht zuletzt dem planvollen Vorgehen bei allen anderen Taten. Das Dementi auf die Stern-Geschichte kam schneller als eine umgehende und sorgfältige interne Prüfung benötigt hätte – zumal die Behörden lediglich sich selbst entlasten.

Ein Dreh zu viel war auch der Mord an dem Betreiber eines Internetcafés ein Jahr zuvor am 6. April 2006 in Kassel. Dort war ein Verfassungsschützer zugegen, der sich verdächtigt machte, indem er sich nicht bei der Polizei meldete – angeblich, da er die Suche nach sexuellen Kontakten vor seiner Frau verbergen wollte. Der Mann führte allerdings nach einigen Berichten Agenten im Referat Ausländerkriminalität und war ein krasser Rechtsextremer, der auch Literatur zu Serienmorden besaß. Seine Anwesenheit mag Zufall gewesen sein, doch verwundert sein Hintergrund ebenso wie die Aussage des hessischen Innenministers, der eine vom Bundesanwalt verlangte Akteneinsicht als „feindlichen Akt“ bezeichnete.

Solche Aussagen erhöhen das Vertrauen in die Behörden ebenso wenig wie vorschnelle Dementi. Ohne eine umfassende Aufklärung durch unabhängige Instanzen, welche keiner Regierung weisungsbefugt sind, wird der Ruch der Verstrickung an den Behörden haften bleiben – nicht zu unrecht.

Neben den Verstrickungen von Verfassungsschutz und Kriminalämtern kursierten Berichte, nach denen sich der BND für den Fall interessiert haben soll. Auch soll der MAD nach dem Verbleib von verschwundenen Sprengstoff geforscht haben, der in die Hände der NSU gelangt sein soll. Bestätigt sind diese Meldungen nicht, sollen aber der Vollständigkeit halber hier erwähnt sein.

Das Ende

Nach beinahe 13 Jahren im Untergrund, vom 24. Januar 1998 bis zum 4. November 2011 fanden zwei Polizisten das Wohnmobil, in denen sich Mundlos und Böhnhardt nach einem Banküberfall versteckten, in einem ruhigem Vorort von Eisenach. Nach einem Bericht der Thüringer Allgemeinen Zeitung hatte die Gothaer Polizeidirektion bereits durch den Banküberfall in Arnstadt die Strategie der beiden durchschaut. Daher suchte sie gezielt nach einem Wagen, in dem die Fahrräder verladen wurden. Ein Zeuge soll eine solche Szene bei einem nahe gelegenen Baumarkt beobachtet haben, so daß das Wohnmobil einige hundert Meter entfernt entdeckt wurde. Als die zwei Polizisten sich näherten, sollen sie dumpfe Geräusche gehört haben. Diese sollen von den Schüssen einer Maschinenpistole stammen, die jedoch darauf Ladehemmung hatte. Daraufhin habe Mundlos Böhnhardt erschossen, das Wohnmobil in Brand gesetzt und sich selbst gerichtet. Die zeitweise kursierende Geschichte von einer dritten Person, die vor dem Eintreffen von dem Wohnmobil wegrannte, konnte bislang nicht bestätigt werden.

Dennoch bleiben bei der Darstellung einige Fragen offen: So wurden nach diesem Bericht keine Durchschusslöcher und nur ein Projektil gefunden. Auch sollten Polizisten „dumpfe Geräusche“ und Schüsse unterscheiden können. Unklar bleibt auch, wie das Wohnmobil in Brand geriet. Bei der schnellen Ausbreitung müssen Brandbeschleuniger im Einsatz gewesen sein. Ebenso entsteht in einem Wohnmobil bei einem Brand durch das geringe Volumen innerhalb von kürzester Zeit dichter Qualm, durch welchen die Insassen schnell ohnmächtig werden. Ohne daß die beiden Terroristen den Wagen für den Fall der Entdeckung entsprechend präpariert haben, scheint der geschilderte Ablauf fraglich. Die gleiche Frage stellt sich für die Explosion des Wohnhauses in Zwickau. War die Wohnung für den Fall der Entdeckung durch Sprengstoff und Zeitzünder präpariert? Entsprechende Brandgutachten sind bislang nicht bekannt. Hörten Mundlos und Böhnhardt den Polizeifunk ab und wussten von der herbeigerufenen Verstärkung? Auch zum Verbleib der angeblich in den Wagen geladenen Fahrräder wurden keine Angaben gemacht. Nicht zuletzt ist durch die offenbar teils verbrannten Leichen der forensische Nachweis eines Selbstmordes erschwert – wenn ein zweifelsfrei sicherer Nachweis überhaupt möglich ist. Die ermittelnde Polizei muss sich daher den Vorwurf einer miesen Öffentlichkeitsarbeit gefallen lassen.

Bewertung in den Medien

Die meisten Beobachter können in den Puzzleteilen kein Gesamtbild erkennen und wollen aus den bekannt gewordenen Fakten keine Schlüsse ziehen: Zu dünn und Bruchstückhaft seien die Erkenntnisse. Diese Sichtweise wird von den meisten Medien geteilt. Sehr unterschiedlich ist dagegen die Bewertung der Rolle des Staates. Wenig Verständnis zeigt Nils Minkmar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für die Pannenserie der Behörden: „Wenn man es hätte wissen wollen, hätte man es wissen können.“ Er erinnert an die vielen terroristischen Gruppen der Vergangenheit, die von Geheimdiensten unterwandert waren: „Verfolgt man die Spur des Terrors nur lange genug, endet man vor einem geheimen Dienstgebäude.“ Nur durch unabhängige Untersuchungsausschüsse und Kommissionen könne eine Aufklärung erwachsen, meint Markus Bernhardt in der jungen Welt. Genervt von vielen Mutmaßungen ist dagegen Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung: Er beschimpft die Blogger und Journalisten, die allzu leichtfertig die unbestätigte Geschichte über eine dritte Person in Eisenach wiedergeben, als „Verschwörungsjunkies und „Rauner“. Damit stellt sich Leyendecker gegen die verbreitete Mutmaßungen über eine Verstrickung der Dienste. Jedoch wird er selbst zum „Rauner“, wenn er die fragwürdige und auf dünnstem Eis laufende Version des BKA auf die Titelseite hievt, nach der als Motiv für den Polizistenmord von Heilbronn der Waffenfetischismus von Böhnhardt und Mundlos präsentiert wird.

Fazit

Die Schwierigkeit in dem Fall um den „Nationalsozialistischen Untergrund“ besteht in der fortlaufenden Ausweitung der Fakten und Beziehungen. Die Täter aus der ersten Reihe sind tot oder schweigen. Über die Aussagen des verhafteten Umfelds ist wenig bekannt. Die Medienberichte stützen sich zu einem guten Teil auf Aussagen von Ermittlern gegenüber Journalisten und Ausschüssen – sie sind somit gefiltert. Aussagen über die Gruppe sind Schlussfolgerungen aus zahlreichen Puzzleteilen und somit unvollständig. Die Medien haben zahlreiche Aspekte der Gruppe recherchiert. Doch obwohl hier gute Arbeit geleistet wurde, finden sich kaum Beiträge, welche die Puzzleteile zusammenfügen.

Bild von Darwin Peacock

Die zentrale Frage ist, wie die Gruppierung zu charakterisieren ist: Netzwerk oder Zelle? Bislang war zumeist die Rede von einem terroristischen Trio und deren Unterstützer. Diese Darstellung ist kaum zu halten, denn schon das lokale Umfeld in Thüringen und Sachsen waren offenkundig nicht nur Mitwisser, sondern haben durch Logistik und Kontakte das Leben im Untergrund die Taten erst ermöglicht. Dieses Umfeld war Teil von deutschlandweiten und internationalen Netzwerken. Die Ermittlungen haben bislang kaum beteiligte Strukturen an den Tatorten nachweisen können. Doch Kontakte haben offenbar bestanden – an einigen Orten wie in Köln oder Nürnberg haben Medienberichte direkte Verbindungen aufgezeigt. Die engen Kontakte der Führungsfiguren der organisierten und militanten Rechtsradikalen decken sich mit zahlreichen Tatorten. Ein Beweis für eine Mittäterschaft ist dies freilich noch nicht. Doch wenn das Netzwerk sich mit der Spur des Terrors deckt, kann von Zufall keine Rede sein. Der Nachweis eines bundesweiten terroristischen Netzwerkes würde die Bewertung der NSU fundamental verändern.

Darüber hinaus drängt sich ein weit umfassenderer Verdacht auf: Weitere ungeklärte Taten mit rechtsterroristischem Hintergrund wie die Brände in Ludwigshafen und Völklingen wurden von dem gleichen Netzwerk begangen. Dazu zählt auch der Anschlag auf die Wehrmachtsausstellung in Saarbrücken – das gleiche Resultat hat aber auch der Nachweis einer Verbindung zur Kameradschaft Süd, die einen Anschlag in München plante: eine terroristische Struktur, die über einzelne Täter hinausreicht. Das verbindende Glied ist die Strategie des Führungslosen Widerstandes (Leaderless Resistance) von Blood & Honour. Denn auch zu den  weiteren ungeklärten Bränden und Anschlägen in Ludwigshafen, Düsseldorf, Saarbrücken, Völklingen und Köln hatte sich niemand bekannt8.

Die Verfassungsschutzbehörden hatten im Umfeld der Gruppe gleich mehrere Informanten platziert. Die erfolglose Fahndung ist schwer zu erklären. Die Darstellung der fehlgeschlagenen Fahndung als „Pannenserie“ ist nicht ausreichend belegt. Sie erscheint vorerst als Schutzbehauptung. Eine Übersicht über alle platzierten Spitzel im Umfeld existiert ebenso wenig wie zu allen Aktionen der Zielfahnder. Unerklärt bleibt auch, warum nach dem beträchtlichen Aufwand, der anfangs betrieben wurde, später die Ermittlungen nicht weiterverfolgt wurden.

Das Vorgehen der Geheimdienste in der rechten Szene ist nicht aufgeklärt. Die Dienste bauten rechte Strukturen auf und finanzierten sie. Das bedeutet, sie betätigen sich in der Steuerung der rechtsradikalen Szene statt durch Aufklärung. Einmal mehr sitzen die V-Leute in führenden Positionen. Mit dem Thüringer Heimatschutz hat der Thüringer Verfassungsschutz die Keimzelle des Terrorismus aufgebaut. Die Frage nach der rechten Vergangenheit des Verfassungsschutzes steht dabei ebenso im Raum. Die Dienste hatten in der Vergangenheit höhere Beamte mit NS-Vergangenheit in ihren Reihen  – der Fall in Kassel zeigt, daß heute noch Rechtsradikale für den Verfassungsschutz arbeiten. Bislang ist eine umfassende Aufklärung über die Verstrickungen in rechtsradikale Strukturen nicht zu erkennen. Dafür fehlen staatliche Institutionen, welche die Geheimdienste effektiv kontrollieren. Der Verfassungsschutz zählt zu den Verdächtigen, doch in diese Richtung wird nicht ermittelt.

Auch finden sich mit dem Brand in Ludwigshafen und Völklingen zwei weiteren Verdachtsmomente, in den ein rechter Hintergrund vorschnell ausgeschlossen wurde. Ebenso wurde eine ganze Reihe von Taten nicht in einen rechten Hintergrund gesehen, wie bei der Ermordung von drei Polizisten in Dortmund. Zu klären gilt also auch, aus welchen strukturellen Gründen rechte Gewalt immer wieder ignoriert wird.

Der Skandal bietet bei aller Empörung eine einmalige Chance: So besteht die Möglichkeit ein terroristisches Netzwerk zu zerschlagen. Die Bevölkerung kann sich der Gefahren von Ausländerhass und Antisemitismus bewusst werden, denen in den vergangenen 20 Jahren nach Lage der Dinge bis zu 1509 Menschen zum Opfer fielen. Und nicht zuletzt kann dem Treiben der Dienste Einhalt geboten werden, welche eine beinahe sprichwörtliche Tendenz zur Verselbstständigung haben. An einem unbedingten Willen zur Aufklärung durch eine Ermittlung in alle Richtungen sind aber berechtigte Zweifel anzumelden.


Anmerkung: Die zahlreichen Verbindungen zur NPD, die bei vielen Beiteiligten sichtbar wurden, sind nicht Gegenstand dieses Beitrages.


Weitere inhaltliche Ergänzungen des Autoren finden sich bei den Kommentaren. Da diese Nachträge fortlaufend ergänzt werden, stimmen die Publikationsdaten der Nachträge nicht immer mit dem einzelnen Ergänzungen überein.

  • 1. Leider wurde bisher nicht die Frage nach dem Poststempel, also Uhrzeit, Datum und Reihenfolge des Versands der DVD gestellt. Der Film ging an Parteien (Die Linke), islamische Kulturzentren, linke Treffpunkte, Medien und Agenturen.
  • 2. Böhnhardt hiess »Holger Gerlach«, Mundlos »Max Florian Burghardt .«, Zschäpe »Lisa Dienelt« und nannten sich Gerri, Max und Liese.
  • 3. Interessant ist auch die Frage, ob das Geld gewaschen wurde, für diesen Fall hatten sie weit weniger Geld zur Verfügung.
  • 4. Eine eindeutige Beweisführung für die Täterschaft der »NSU« ist nicht geführt worden – die Annahme beruht auf Indizien.
  • 5. Aus Sicht einiger Beobachter setzt sich die FAF im Freien Netz Süd fort.
  • 6. vgl. Dwars, Günther: Das braune Herz Deutschlands? Rechtsextremismus in Thrüringen. Der Autor Carsten Hübner bezieht sich auf ein Interview mit Nordbruch in dem Skinzine »Blood&Honour« Heft 9/2000
  • 7. Bemerkenswert an dem Hack des Forums des »Freien Netzes« sind die diskutierten Methoden von Gerlach und Scheffler, die mit »Glaubhafter Abstreitbarkeit« der Existenz einer Struktur und getarnten Angriffen (False Flag) an das Repertoire nachrichtendienstlicher Arbeit erinnern.
  • 8. In Saarbrücken gingen mehrere Bekennerschreiben ein, die aber offenbar nicht von den Tätern kamen.
  • 9. Nach Recherchen der Zeit und des Tagesspiegels starben 137 Menschen durch rechten Terror nach der Wende. Mit den Toten der Ceska-Mordserie und dem Brand in Ludwigshafen wären es 149.

Kommentare

Danke

Danke für den gut geschriebenen überblick. Was bleibt ist die Frage, wieso die Dienste, die in diesem Netzwerk an entscheidenden Stellen ihr Informanten hatten, von der Existenz des NSU nichts gewusst haben wollen.
Bitte weiter recherchieren!

Nachtrag I

  • Zwei weitere Morde in Berlin am 13. März 2000 und Duisburg am 15. Dezember 2003 werden in Zusammenhang mit der NSU neu untersucht.
  • Über Beate Zschäpes Rolle schreibt Panorama:

    Ferner glauben die Ermittler offenbar, dass Zschäpe 2005 aus einer Telefonzelle in Zwickau ihre Komplizen angerufen hat, als diese einen Mord in München begingen. Dies belegen Verbindungsdaten, der Anruf aus Zwickau kam auf einem Handy in der Nähe des Tatortes an.

  • Etwas zu kurz gekommen sind die internationalen Verbindungen: Treffen und Aufmärsche in Ungarn und Bulgarien wie in Budapest am 14. Februar 2009 oder 7. Februar 2009 in Sofia sind eine Stelldichein der erwähnten Kameradschaften: z.B. aus München, Nürnberg und Dortmund. Vor dem Hintergrund von Blood & Honour sprechen auch NPD-Kader wie Udo Voigt. Sollte sich das Abtauchen von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe in diesen Ländern bestätigen, deutet dies auf ein weiteren Link zu einem bundesweiten Netz.
  • Das Buch »Braune Kameradschaften« von 2005 bietet einen sehr guten Überblick über die Netzwerke in Deutschland.
  • Historisch interessant ist die Geschichte der Entstehung der Anti-Antifa (Der Rechte Rand Nr. 33) sowie die Geschichte des Rechtsterrorismus seit 1945.
  • Eine übersichtliche Zeitleiste der Aktionen der NSU hat das apabiz erstellt.
  • Viele der hier dargestellten Verbindungen finden sich auch in Beiträgen der aktuellen Ausgabe Nr. 93 des Antifaschistischen Infoblattes wieder, so z.B. im Beitrag zu den Hammerskins.
  • Andreas Förster beschäftigt sich im Freitag mit dem vertraulichen Verfassungsschutz-Bericht, auf den sich bereits der Spiegel bezog. Als fatal kritisiert Förster die Geheimniskrämerei der exekutiven Behörden »aus Gründen der nationalen Sicherheit« (Bundesinnenminister Friedrich) und sieht ein Scheitern der Untersuchungsausschüsse daher vorprogrammiert:

    Wohlan, das wird ein Spektakel. Wobei sich das Publikum schon bald desinteressiert und desillusioniert abwenden dürfte. Denn die Erfahrung früherer Aufklärungsgremien lehrt: Immer, wenn es konkret wird und um den Kern des Untersuchungsgegenstandes geht, stehen entweder „laufende Ermittlungen“ oder „nationale Sicherheitsinteressen“ öffentlich gegebenen Auskünften im Weg.

    Hier wird deutlich: Die Verdunklung wird von ganz oben betrieben – die Bundesregierung hält den Parlamenten wichtige Informationen vor! (siehe auch) Dies korrigiert die Information in meinem Text, der Bericht sei für die Parlamentarischen Kontrolkommissionen vorgesehen. Die Spiegel-Autoren haben also einen Bericht, der weit geheimer war, als sie annahmen. Denn der Spiegel (01/2012) schrieb:

    Das Scheitern von Chemnitz und andere Fehler sind vom Bundesamt für Verfassungsschutz auf knapp 30 amtlich geheim gehaltenen Seiten festgehalten, die kurz vor Weihnachten der Bundesregierung, dem Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags und den Bundesländern zugingen.

    Korrektur: Die Info des Spiegels ist richtig, nur das die Parlamentarier der PKK des Bundestages laut ZDF Frontal 21 die Akten nur in einem gesonderten Raum einsehen dürfen, dagegen die Landesparlamentarier gar nicht. Doch auch das ZDF sieht darin eine Verdunkelungs-Strategie.
    Doch Förster weiß mehr entscheidend Neues zu Berichten:

    Auch soll eine B&H-Aktivistin der Gruppe vorgeschlagen haben, „die politische Arbeit im Untergrund in Form von Anschlägen durchzuführen“.

    Sollte dies stimmen, so ist das eine kleine Sensation. Denn damit könnte sich bewahrheiten, dass Blood & Honour eine treibende Kraft der rechten Gewalt war: Wer war diese Frau? Unklar bleibt aber auch die Identität zweier zentraler V-Leute, die wichtige Zeugen sein könnten – bei der dritten Bundesbehörde handelt es sich wohl um BKA oder BND:

    Unerwähnt bleiben in dem Report zwei weitere Spitzel: eine Quelle des Bundesamts für Verfassungsschutz in der Neonazi-Vereinigung „Thüringer Heimatschutz“, die eine zentrale Rolle bei der Unterstützung von Beate Z. und ihren Freunden spielte; und ein weiterer Informant einer Bundesbehörde, der zeitweise sogar direkten Zugang zu Z. gehabt haben soll.

  • Einer der wichtigesten Verbindungen ist hier im Beitrag nicht eingehend genug untersucht worden: Der Kampfbund Deutscher Sozialisten bestand von 1999 bis 2008! Mitglieder waren u.a. Reitz und Gerlach (s.o.). Laut reddok war Ziel der Gruppe:

    […] einen »neuen Angriff« mit »völlig anderen strategischen Ansätzen« und »neuen taktischen Wegen«.

    Worin mag dieser neue Angriff wohl bestanden haben?

  • Die vollständige Quelle der Selbstauflösung des Kampfbundes (»KDS – Ein Experiment wird eingestellt«) findet sich bei Volksfront Medien, die u.a. von dem hessischen Neonazi Kevin Schnippkoweit betrieben wird: Dieser war an einem Überfall auf ein linkes Jugendcamp 2008 beteiligt. Dadurch wurde die Verbindung zu den »Freien Kräfte Schwalm-Eder« nahe von Kassel deutlich, bei denen es am am 27.7.2008 kam es zu einer Razzia kam, bei der Waffen gefunden wurden. Schnippkoweit gehört zu einer Gruppe Butzbacher Neonazis, die mit der Kameradschaft »Freie Nationalisten Rhein-Main« um Marcel Wöll zum Widerstand West zählen und für extreme Gewaltbereitschaft bekannt sind. Im Schwalm-Eder-Kreis südlich von Kassel gab es neben der Kameradschaft mit Hauptkampflinie zumindest eine prominente Band aus dem Spektrum von Blood & Honour – und mit Alexander Baranowski einen NPD-Kandidaten, dem eine Nähe zu Hammerskins und Combat 18 nachgesagt wird.
  • Zu Axel Reitz schrieb die taz:

    Die Dortmunder »Kameraden« arbeiten eng mit Neonazis aus dem Raum Unna/Kamen und der »Kameradschaft Hamm« zusammen. Der Verfassungsschutz geht von bis zu einhundert militanten Neonazis aus. »Die Machtfrage wurde gestellt und wurde für uns befriedigend beantwortet«, hieß es in einem im Internet veröffentlichten Kommentar zum Mord an Thomas S. Plakate mit dem Motto »Wer der Bewegung im Weg steht, muss mit den Konsequenzen leben«, wurden in der Dortmunder Innenstadt geklebt. Als Verantwortlicher im Sinne des Presserechts zeichnete der aus dem Kölner Raum stammende Neonazi Axel Reitz. Er ist führender Aktivist des »Aktionsbüro Westdeutschland«, der »Kameradschaft Köln« und des »Kampfbund Deutscher Sozialisten« (KDS).

    Axel Reitz war aber auch Mitglied in dem Netzwerk Widerstand West, in welchem Kameradschaften aus Rheinland-Pfalz, Hessen und NRW verbunden sind.

  • Der MDR hat ein vertrauliches Papier des BfVS in die Hände gekriegt. Unklar ist in welcher Beziehung der Bericht zu dem Papier von dem gleichen Amt steht, das der Spiegel kürzlich wiedergegeben hat. Der Bericht legt nebst weiteren »Fahndungspannen« Kontakte zu Blood & Honour - Strukturen in Sachsen offen:

    So sei schon im September 1998 der sächsische Sektionschef der mittlerweile verbotenen Organisation »Blood&Honour« telefonisch überwacht worden, der verdächtigt wurde, Waffen für das Trio zu besorgen. Der Bericht legt dabei die Vermutung nahe, dass das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) davon nichts wusste.

    Die Frage ist, ob es sich bei dem sächsichen Sektionschef von B & H um oben angeführten Jan Botho Werner handelt – dies ist zumindest laut dem Focus der Fall. Möglicherweise ist auch jemand anderes gemeint, denn von Aktivisten im Raum Chemnitz ist anderweitig die Rede:

    Gut anderthalb Jahre später klinken sich die Thüringer LKA-Beamten erneut in die Leitungen von führenden Rechtsextremisten ein. Hintergrund war, dass den Thüringer Staatsschützern Hinweise vorlagen, dass Uwe Böhnhardt im April 2000 Kontakte zu »Blood&Honour«-Aktivisten in Raum Chemnitz aufgenommen hatte.

    Einge Jahre später. im März 2006. führte die Polizei in Sachsen (und weiteren Bundesländern) dann eine Durchsuchung wegen Fortführung einer verbotenen Vereinigung. 2009 gab es einen Prozess. Über die Angeklagten gibt es einen aufschlussreichen Beitrag. Auch bei Recherche Nord findet sich eine hervorragende Analyse zu Blood & Honour nach den Verbot.

  • Über die engen Verbindungen zwischen sächsischen, thüringischen und bayrischen Neonazis ist mittlerweile derart viel veröffentlicht worden, dass dieser Zusammenhang als erwiesene Tatsache gilt. Tino Brandt gründete in Coburg gar den bis heute bestehenden »Fränkischen Heimatschutz«. Dieser ist Teil des Freien Netzes Süd, das als Nachfolgerorganisation der Fränkischen Aktionsfront bewertet wird. Einer der wichtigsten Treffpunkte der Neonazis dieser dreier Bundesländer ist der Gasthof »Zum Egerländer«, den der Hofer Tony Gentsch in Oberprex im Dreiländeck 2010 erworben hat. Dieser war mit Gerlach und Wohlleben im Freien Netz aktiv.
  • Hans Leyendecker hat im Interview mit dem Deutschlandfunk die Schlüsse dieses Beitrages nochmal sehr treffend dargestellt:

    Es ist ein deutlich breiteres Wissen dann. Wenn wir von der alten Struktur ausgingen, die wir noch vor einigen Wochen hatten, konnte man sagen, okay, da waren Leute im Osten, das waren Kameraden, die haben immer zusammen gemacht, die haben sich geholfen, die anderen sind dann aufgebrochen, um Leute umzubringen. Da hat möglicherweise der eine oder andere was gewusst, aber die haben das mehr oder weniger alleine gemacht. Wenn jetzt aber klar sein sollte, dass es eine Gruppe im Osten gab, die Dinge tat, von denen Leute im Westen wussten, jawohl, das sind unsere, die da gemordet haben, und die Behörden bekommen das nicht mit, und das sind die Leute, die mit unserer Unterstützung das haben tun können, bekommt die Frage des Rechtsterrorismus tatsächlich noch mal einen neuen Dreh, auch natürlich in Bezug auf die Behörden, das Nichtwissen der Behörden, die Scham der Behörden. Die es ja tatsächlich auch gibt in diesen Tagen, dass man das alles nicht so mitbekommen hat, wird natürlich deutlich größer, wenn es nicht eine konspirative Gruppe von fünf, sechs Leuten war, sondern wenn wir es hier mit 50, 60 Leuten zu tun haben. Da kommen ganz viele Fragen, auch was V-Leute betrifft, aber auch was Behördenwissen betrifft, noch mal auf eine ganz andere Weise auf den Tisch.

  • Erwähnenswert auch Der Spiegel 52/1997:

    »Noch haben wir keine terroristische Vereinigung von rechts«, sagt ein Geheimdienstler im Düsseldorfer Innenministerium, »aber wir könnten bald eine haben.«

  • Eine Berliner Antifa-Gruppe hat ein kleiners Dossier über die Berliner Nazi-Szene erstellt, die sich auf einen Bericht der Sächsischen Zeitung stützt. Demnach führen 4 Spuren nach Berlin: So hatte Max B., der Deckname von Mundlos, einen Draht in die Hauptstadt:

    Der NSU-Fluchthelfer Max Florian Burghardt aus Zwickau - inzwischen wohnhaft in Dresden - ist eine weitere Spur nach Berlin. In seiner Wohnung kamen Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos ab Februar 1998, direkt nach ihrem Verschwinden, unter. Sie lebten ein halbes Jahr in der Wohnung des Neonazis, der von lokalen Antifa-Strukturen dem »Blood & Honour»-Netzwerk zugerechnet wird. Im Jahr 1999 lernte Burghardt bei den Bauarbeiten an der Frauenkirche in Dresden den Berliner Steinmetz Ilja Gräser kennen. Gräser ist als Neonazi aus dem Bezirk Pankow bekannt, und dort im lokalen Kreisverband der NPD organisiert. Zeitweise war er deren Vize-Vorsitzender, bevor er vor wenigen Jahren die Partei verließ und sich seitdem vor allem in völkisch-rechten Kreisen bewegt.

    Die NSU hatte also eine direkte Verbindung nach Berlin, auf die sie zurückgreifen konnte. Der Bezirk Pankow liegt nur einige hundert Meter von einem weiteren möglichen Tatort in Berlin in Osten Weddings in der Eulerstraße. In den 90er Jahren gab es harte Auseinandersetzungen zwischen migrantischen Jugendlichen im Wedding und Neonazis in Pankow und Prenzlauer Berg. Ein Text der Pankower Antifa beschäftigte sich mit den dortigen Nazi-Strukturen. Darüber hinaus gab es Beziehungen nach Lichtenberg:

    Im November 1998, als tausende Antifaschist_innen gegen die Nazi-Kneipe »Café Germania« in Lichtenberg demonstrierten, sammelten sich nach Eigenangaben 200 Neonazis in der Kneipe. Unter ihnen war auch der V-Mann und Chef des »Thüringer Heimatschutzes« Tino Brandt. Im »Thüringer Heimatschutz« waren die NSU-Mörder aktiv gewesen, auch nach ihrem Untertauchen 1998 hatte Brandt noch jahrelang Kontakt zu den Dreien. Die Kneipe war damals einer der ersten Versuche der bundesdeutschen Neonaziszene, sich eine eigene Infrastruktur für Veranstaltungen, Treffen und Konzerte zu schaffen und spielte so eine entscheidende Rolle in der überregionalen Vernetzung. Sie wurde kurz nach der antifaschistischen Demonstration geschlossen. Andreas J. Voigt, Betreiber des »Café Germania« und selbsternannter Kreuzritter, veröffentlichte 2006 den Roman »Der letzte Patriot«, dessen Inhalt starke Parallelen zum Vorgehen der NSU aufweist.

    Der Klappentext bzw. das Exposé des Buches »Der letzte Patriot«:

    Wie ist mit einer nationalen Geheimorganisation zu verfahren, die zunehmend, mit Unterstützung im Hintergrund agierender Gruppierungen und Sympathisanten, so einflußreich im Staat wird und damit die Macht der offiziell, wie auch inoffiziell Herrschenden bedroht, daß sie ins Visier des Bundesamtes für Verfassungsschutz gerät? […] in eine Falle gelockt und Ende des Jahres 2000 zur Strecke gebracht. Ohne Aussicht auf Gerechtigkeit erfährt er die Machenschaften der Geheimdienste bei seiner Gerichtsverhandlung am eigenen Leib und muß schmerzlich erkennen, daß er gegen diesen Gegner machtlos ist. Er wird zu knapp fünf Jahren Haft verurteilt. […] nach seiner Entlassung die »Gruppe Rittmeister« zu führen […]

    Möglicherweise hat Voigt damit z.B. die »Nationalrevolutionären Zellen« des Carsten Szczepanski gemeint, der schon 1995 zu acht Jahren Haft verurteilt wurde und später V-Mann wurde – sofern hier überhaupt eine reelle Anleihe genommen wurde; der Buchinhalt hat jedoch einige Parallelen zu dem äußerst kryptischen Text im Bekennervideo der NSU:

    Wahrscheinlich wirft hier jeder, was er nicht mehr braucht, ganz einfach auf die Straße. Und weil jetzt Schluss sein soll mit dieser Ferkelei, muss Paulchen auf die Bürgermeisterei. Dort wird ihm, eh er's sich gedacht ein sehr kurzer Prozess gemacht. Und nach dem rasch herbeigeführten Ende, drückt man ihm ein' Besen in die Hände. So hofft man, ihn am schnellsten zu belehren. Und lässt den eigenen und den fremden Dreck ihn kehren.

    Ob diese paranoide und schräge Prosa bzw. Lyrik aber wirklich einen reellen Bezug hat, bleibt jedoch sehr fraglich – sei dennoch rein der Vollständigkeit halber erwähnt.

Nachtrag II

  • Neue Detail kommen über die Fahndung der Bundeskriminalamtes und des Bundesverfassungsschutzes zum Vorschein. Laut dem MDR exakt waren diese 1998 in sehr umfangreichen Ausmaß hinter den Abgetauchten her: Das BfV setzte nach einem Informanten des Thüringer VS in der Operation Drilling ab Februar 2008 über 15 Ermittler ein. Auch hat das BKA 2007 durch einen Profiler den rechtsradikalen Hintergrund vermutet – in diesem Sinne wurden Informationen auch innerhalb von Behörden nicht abgeglichen.
    siehe MDR Exakt 18.01.2012 von Christian Bergmann, Sebastian Pittelkow: Zwickauer Terror-Trio – Bundesbehörden wussten mehr als bisher bekannt (Manuskript)

    Demnach schickte der Bundesverfassungsschutz zwischen Mai und Juli 1998 bis zu 20 Mitarbeiter nach Thüringen und führte eigenständige operative Einsätze durch. So wurde unter anderem ein Fahrzeug eines Unterstützers der drei Terroristen mit einem Peilsender ausgestattet und verfolgt. Dabei sei auch ein Kleinflugzeug zur Überwachung eingesetzt worden. Auch das Bundeskriminalamt (BKA) verfolgte demnach die Neonazis. Nach MDR-Recherchen planten BKA-Leute im Sommer 1998 am Flughafen Bukarest einen Zugriff.

    Die große Frage bleibt also: Wie konnten die Bundesbehörden der Gruppe so derart auf den Fersen sein, um dann den Fall dann offenbar wieder ruhen zu lassen? Warum wurde diese Gruppe nie mit anderen Fällen in Zusammenhang gebracht? Die Gefährlichkeit war bekannt. Diese Fragen müssen beantwortet werden.

  • Laut taz hat die Polizei bei 4 Blood & Honour-Aktivisten eine Hausdurchsuchung u.a. in Chemnitz vorgenommen:

    Neue Brisanz ergibt sich aus der Razzia in Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg vom Mittwoch bei weiteren mutmaßlichen Helfern der rechtsextremen Terrorgruppe. Nach taz-Informationen wurden mehrere Wohnungen ehemaliger Mitglieder von Blood & Honour (B&H) durchsucht - ein militantes, internationales Neonazi-Netzwerk, dessen deutscher Ableger im Jahr 2000 verboten wurde. […] Einer der ehemaligen B&H-Männer, dessen Wohnung nun durchsucht wurde, ist Jan W.

    Man kann sich nur wundern, wieviel Zeit diesen Leuten gelassen wurde, Beweise zu vernichten. Aber die taz hat bezüglich der 38 Waffendepot von Michael Krause auch noch eine interessante Randbemerkung zum Field Manual von Cobat 18:

    Einen genaueren Blick wird man dabei auch noch mal auf die frühen Anleitungen zum Terror aus dem B&H-Netzwerk werfen. So veröffentlichte 1998 ein Norweger ein »Fieldbook«, in dem »Combat 18« als bewaffneter Arm von B&H festgelegt wurde. Genaue Handlungsanleitungen für den Untergrund fanden sich später im »Combat 18«-Handbuch »Der politische Soldat«. Dort hieß es: »Keine Zelle sollte in den bewaffneten Kampf einsteigen, wenn sie keinen sicheren Ort hat, wo sie Waffen, Munition und gesammelte Informationen usw. verstauen kann.«

  • Den Vogel hat dagegen Frontal21 abgeschossen! Denn in dem Beitrag »Im Visier des Verfassungsschutzes« von Beate Frenkel und Manka Heise wird eines deutlich: Der frühere Leiter der »Soko Bosporus« hatte eine Anfrage an den Bayrischen Verfassungsschutz mit der Bitte um Weiterleitung an die anderen Verfassungsschutzbehörden geschickt, um einen rechtsextremen Hintergrund der Mordserie zu prüfen. Doch entgegen früherer Berichte wurde diese Anfrage vom Bayrischen Verfassungsschutz nicht an die anderen Ämter weitergeleitet. Das könnte man als Sabotage bezeichnen. Denn das BfV jagte ja beispielsweise Ende der 90er mit 20 Leuten das Nazi-Trio. Dort hätte die Verbindung dann hergestellt werden können. Allerdings war auch eine BKA Profil-Analyse zu dem gleichen Schluß gekommen. Fragt sich, was mit der passiert sein mag. Gegen die Kritik an der dem Vorgehen des bayrischen VS wehrt sich der bayrische Innenminister und hält sie für »nicht nachvollziehbar«, denn: »Eine Anfrage aus dem Dezember 2006 sei vom Landesamt für Verfassungsschutz wunschgemäß beantwortet worden.«

    Der bayerische Verfassungsschutz habe zwei Monate nach der Anfrage »Hunderte« Namen geliefert. Andere Landesämter seien aber nicht informiert worden, weil es dazu auch keinen »Arbeitsauftrag« der »Soko Bosporus« gegeben habe. Dies gehe klar aus den Unterlagen hervor.

Nachtrag III

  • Details zur Razzia von SEK Einsatz:

    An den Durchsuchungen sind neben Vertretern der Bundesanwaltschaft etwa 110 Polizeibeamte aus den Reihen des Bundeskriminalamts, sowie Beamte vom Spezialeinsatzkommando (SEK) Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg beteiligt gewesen. Wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft mitteilt, hätten die Durchsuchungen in Dresden, Chemnitz, im Erzgebirgskreis, in Ostthüringen und im Großraum Stuttgart stattgefunden. Dabei seien Computer, Festplatten, diverse Dokumente sowie eine „CD mit rechtsradikaler Musik“ beschlagnahmt worden.

  • Und die OTZ:

    Eine Razzia gab es auch im Saale-Holzlandkreis: in Trockenborn-Wolfersdorf und in Laasdorf in den Wohnungen von Andreas S. und Frank L.

  • Die Süddeutsche:

    Auch die Akten über die im Jahr 2000 verbotene B&H-Truppe. Vor ein paar Tagen leitete die Bundesanwaltschaft, die mit großer Intensität ermittelt, vier weitere Ermittlungsverfahren gegen Verdächtige aus der Neonazi-Szene ein. Auch gegen Jan W. und Thomas S. […] Im Jahr 2000 meldete das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz, als mögliche Unterstützter des Trios stünden im Vordergrund: Jan W., Thomas S. sowie eine Mandy S. Gegen sie wird schon seit November ermittelt.

  • Vor dem Hintergrund der Razzien bei Blood & Honour zwei lesenswerte Beiträge: »Profis, Geld und Subkultur« im antifaschistischen Infoblatt und »Rassenkrieg ganz legal« beim apabiz.
  • Einmal mehr glänzt eine Kooperation mehrerer Antifa-Redaktionen mit einer hervorragenden Recherche, welche über die Hintergründe der Nazistrukturen aufklärt, die kürzlich in Sachsen durchsucht wurde:

    Teile des sächsischen Blood & Honour-Ablegers haben ihren Ursprung in den 1990er Jahren bei den Skinheads Chemnitz, die unter dem Namen CC88 weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurden. […] Eine Reihe der CC88-Aktivisten war gleichzeitig Mitglied der Blood & Honour Sektion Sachsen. Um die Gruppierung CC88 sammelte sich ein ganzes Konglomerat aus Szenebands, Fanzines, rechten Läden und Veranstaltern.

    Und schlussfolgert daraus:

    Eine tragende Rolle bezüglich der ideologischen Ausrichtung des NSU und dem Aufbau seiner Unterstützerstruktur scheint das straff organisierte “Blood & Honour”-Netzwerk zu spielen.

    Ist die Blood & Honour-Aktivistin, die der Gruppe riet, »die politische Arbeit im Untergrund in Form von Anschlägen durchzuführen«, Teil dieser Gruppe? Dies wäre ein wichtiger Aspekt der Beweisführung für eine tragende Rolle des Netzwerkes um Blood & Honour. Zu den Beschuldigten:

    Dem heute 41-Jährigen [Thomas Starke] wird neben den zur selben Zeit durchsuchten Jan Botho Werner, Antje Probst und Andreas Graupner vorgeworfen, den NSU bis 2003 gedeckt zu haben. Zwei von ihnen sollen sogar Waffen und Sprengstoff für die Rechtsterroristen beschafft haben. Insgesamt gelten neben Beate Zschäpe derzeit 11 Personen als Beschuldigte in den Ermittlungen gegen den NSU. […] Als mutmaßliche Mitwisser des Thüringers Ralf Wohlleben, der bereits zuvor der Unterstützung des NSU beschuldigt wurde, sind am 25. Januar 2012 außerdem zwei weitere Thüringer Neonazis, Frank Liebau und Andreas Schulz, durchsucht wurden.

    Bereits 2005 fand sich bei venceremos eine Darstellung der Strukturen:

    Dafür [der Laden »Sonnentanz« in Aue] verantwortlich zeigt sich Michael Probst, welcher früher selbst in der Naziband »Kroizfoier« als Sänger fungierte. Seine Ehefrau Antje Probst war daran beteiligt, einen Zeugen im Prozess um die berüchtigte Berliner Neonaziband Landser zur Rücknahme seiner Aussage zu bewegen. […] Inhaber [des Sonnentanz-Versands] war der »AEG« - Sänger Jens Schaarschmidt, welcher auch den gleichnamigen Laden in Aue betrieb. […] Schaarschmidt war in der Gruppe »CC88« (Chemnitz Concerts 88 […]) aktiv, ebenso wie Jan Werner, welcher massgeblich an Produktion und Vertrieb der »Landser«-CD »Ran an den Feind« beteiligt war. All diese Läden und Versände gehörten ab dem Jahr 2001 der [2004 aufgelösten] Ravenstone GmbH mit Sitz in Chemnitz an […]. Verantwortlich dafür zeigten sich nun Michael Probst, der bis heute als Inhaber auftritt, sowie Stephan Neumann, der das Namens- und Bildpatent für das Label »Endzeitklänge« besitzt.  […] Dieses Neonazinetzwerk, bestehend aus Endzeit-Versand, Sonnentanz-Versand, Endzeit-Klänge, Endzeit-Forum und dem Geschäft Sonnentanz vereint sich zu einer wichtigen Vertriebsstruktur rechter Propaganda […].

    Bemerkenswert ist an dieser Recherche, daß das Label »Endzeitklänge« ein Nebenprojekt von »Bound for Glory« produziert haben soll, einer Band aus der USA, die Beziehung zum White Aryan Resistance von Tom Metzger hatte – dem US-Amerikaner der das Leaderless Resistance-Konzept weiterentwickelte, und bei dem Manfred Roeder in den 80er Jahren längere Zeit zu Besuch war. Darüber hinaus soll die Band den Hammerskins nahestehen. Da die Band bereits 1992 in Weimar aufgetreten ist, dürfte sie als Pionier des Rechtsrock bei der Weitergabe des Leaderless Resistance-Konzeptes eine Rolle gespielt haben.

  • Die Junge Freiheit hat André Kapke interviewt, darüber berichtete auch der Spiegel.
  • Einer der schönsten Sätze zum Untersuchungsausschuß zum Innenausschuß wird Wolfgang Bosbach zugeschrieben:

    Die was wissen, die kommen nicht, die kommen, wissen nichts, und die, die was wissen und dennoch kommen, sagen uns nichts.

  • Die Einschätzung meines Beitrages

    Auch hier bleibt jedoch weiterhin ungeklärt, warum die Ermittlungen später [nach 2001] im Sande verliefen und nicht weiterverfolgt wurden. […] Unerklärt bleibt auch, warum nach dem beträchtlichen Aufwand, der anfangs betrieben wurde, später die Ermittlungen nicht weiterverfolgt wurden.

    teilt auch die taz:

    »Fall Terzett« hatte der sächsische Verfassungsschutz die Überwachungsoperation von März bis Oktober 2000 getauft. […] Merkwürdig ist, dass die Überwachungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Suche nach dem Terror-Trio von 2002 an weitgehend eingestellt wurden. »Zeitraum nach 2001: Keine weiteren Hinweise auf die Flüchtigen«, heißt es im Geheimbericht des Bundesamts für Verfassungsschutz lapidar.

    auch die sächsiche Parlamentarische Kontrolkommission ist verwundert:

    Sachsens Geheimdienst hatte laut offizieller Darstellung nach 2001 keine Informationen mehr über die spätere Neonazi-Terrorzelle in Zwickau. Das habe die Parlamentarische Kontrollkommission (PKK) am Montag mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen, sagte Ausschussmitglied André Hahn (Linke) der Nachrichtenagentur dpa.

  • Laut der Welt sei die Ausreise nach Südafrika am Willen von Beate Zschäpe gescheitert. Vielmehr habe das Trio von 1998 bis 2011 über Wohnungen in Sachsen verfügt:

    Eine Wohnung stellte der Beschuldigte Max-Florian B. zur Verfügung. Auch der Beschuldigte Andre E. mietete möglicherweise eine Wohnung für sie in Chemnitz an. Der aus Johanngeorgenstadt stammende E., der offenbar in die Mordtaten eingeweiht war, sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft – ebenso wie der Johanngeorgenstädter Matthias D., der ab Juli 2000 in der Zwickauer Polenzstraße und der Frühlingsstraße die beiden letzten zwei Wohnungen für seine Gesinnungsfreunde beschaffte.

  • Ein Beitrag der Düsseldorfer Antifa stellt eine Beziehung des Attentates in der Stadt zum »Nationalen Infotelefon Rheinland« her, da dieses nach dem Attentat eine Demo unter dem Motto »Bombenstimmung in Düsseldorf! – Vor dem Spiel ist nach dem Spiel!« anmeldete. Der Betreiber dieses Projektes soll Sven Skoda aus Düsseldorf gewesen sein, der zum Widerstand West gezählt wird:

    Führende Funktionäre des »Widerstands West« sind Siegfried Borchardt aus Dortmund (ehemaliger Landesvorsitzender der FAP »Kameradschaft Bindeglied zum Fußball (Borussenfront)); Bernd Stehmann aus Bielefeld (Mitglied der ehemaligen Nationalistischen Front (NF) Aktivist von Blood & Honour); Sven Skoda aus Düsseldorf ( Anti-Antifa Nationales Infotelefon Rheinland Kameradschaft Düsseldorf Mitbetreiber der Homepage Düsseldorfer Beobachter); sowie Christian Maloci (ehemaliges FAP-Mitglied Mitarbeiter im Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers (KAH) Kandidat für die Kommunalwahl 2002 im niederländischen Kerkade).

    Zweifellos ist dieser Bezug wage; dennoch ist der Widerstand West ein zentraler Bezugspunkt der Kameradschaften, der in dem Netzwerk eine wichtige Rolle spielt: Mit Verbindungen nach Köln, Dortmund und Hessen.

  • Die taz erinnert an den seltsamen Aspekt, dass die NSU »10.000 Adressen« von Gegner speicherte. Auch wenn sie »aus einem digitalen Telefonbuch zusammenkopiert« sein sollen, zeugt dies von einem Anti-Antifa-Konzept und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an umfassender Zuarbeit. Darüber hinaus wurde eine Liste von leitenden Beamten erstellt, die am NPD-Verbotsverfahren beteiligt waren, darunter »hochrangige Mitarbeiter von Verfassungsschutz und Polizei«. Das BKA prüft die Handschrift dieser Kartei von »24 Namen« und hoffentlich auch, ob diese Daten öffentlich verfügbar waren.
  • Auf der Liste der NSU tauchen selbst so spezielle Zusammenhänge wie der »Offenburger Arbeitskreis Asyl«. Diese können nur von lokalen Gruppen zugearbeitet worden sein: Ein weiterer Beleg für ein bundesweites Netz, insbesondere da die Sammlung solcher lokaler Adressdaten in zahlreichen Fällen bekannt ist.
  • Eine lesenswerte Reportage hat Andres Förster über Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe in der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung geschrieben, die »vom 1. Mai 2001 bis zum April 2008« in der Zwickauer Polenzstraße 2 lebten. Interessanterweise hatten sie auch hier ein unbefangenes Verhältnis zu Ausländern.

    Wen man auch fragt, alle haben Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt als ganz normale Menschen erlebt. […] Im April 2008 zogen die drei weg aus der Polenzstraße. […] Sie legten sich bei einem Fachgeschäft in der Nähe teure Fahrräder zu, jetzt fuhr man auch regelmäßig in den Sommerurlaub. Dann stand der Wohnwagen vor der Tür, er wurde bepackt mit Surfbrett, Mountainbikes und motorgetriebenem Schlauchboot. […] „Ordentlich gekleidet. Und auch vom Geld her passten sie offenbar in die Gegend hier.“

    Spätestens also mit dem Umzug in die Frühlingsstraße müssen die drei ordentlich Geld gehabt haben. Deckt sich das mit den Banküberfällen? Oder gab es eine andere Geldquelle? Man bemerke: Die Mordserie endet 2007, 2008 folgt der Umzug in eine bessere Gegend und jede Menge Geld ist vorhanden. Aber entgegen früherer Bericht werden dem Trio nur noch drei Banküberfälle zugeschrieben:

    Bislang hieß es immer, das Trio habe seit 1999 insgesamt 14 Geldinstitute überfallen und umgerechnet rund 600000 Euro erbeutet. Tatsächlich sind aber nur drei Banküberfälle Gegenstand des Ermittlungsverfahrens gegen die mutmaßlichen NSU-Aktivisten, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft auf Anfrage bestätigte.

  • Die Spuren nach Nürnberg werden deutlicher. So schrieb die taz:

    Genauso ungeklärt ist bisher, was es mit einer gefälschten Mitgliedskarte eines Tennisclubs im Nürnberger Norden auf sich hat, der auf Zschäpes Tarnnamen »Mandy S.« ausgestellt war und im Schutthaus in Zwickau gefunden wurde.

    Dies deutet auf eine regelmäßige Anwesenheit Zschäpes in Nürnberg – nur wo hat sie gewohnt? Und auch die Berliner Zeitung verfügt über Informationen, welche die These eines bundesweiten Netzes stützen. Bei Richtigkeit der enthaltenen Zeugenaussage wäre der Beweis eines bundesweiten Netzwerkes erbracht!

    Die Fahnder konnten rekonstruieren, dass Zschäpe sich bis zu ihrer Festnahme am 8. November jeweils kurzzeitig an mehreren Orten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in Bremen aufgehalten hatte. In diesen Orten gab sie auch mehrere Umschläge mit den Videos auf, die auf dem Postweg ausgewählte Empfänger im gesamten Bundesgebiet erreichen sollten. […] Zwei dieser Videos gelangten auch zur Nürnberger Zeitung, ein zweites zur Kommunistischen Arbeiterzeitung (KAZ). Der KAZ wurde dabei ein unfrankierter Umschlag mit dem Video in den Briefkasten geworfen. Da Zschäpe nach dem 4. November aber nicht in Nürnberg war, muss eine bislang unbekannte Person den Film eingeworfen haben. Das passt zu anderen Erkenntnissen der Fahnder, die sich inzwischen für Mitglieder der 2004 verbotenen Fränkischen Aktionsfront (FAF) interessieren. Ermittler sind bei der Auswertung von Fundstücken aus der Zwickauer Wohnung noch auf weitere Hinweise darauf gestoßen, dass sich die mutmaßlichen NSU-Mitglieder zeitweise im Raum Nürnberg aufhielten. […] Es sei auffällig, so ein Ermittler, dass die bayerischen Tatorte, was Lage und Erreichbarkeit betrifft, jeweils gut ausgewählt waren. Das lasse auf eine besondere Ortskenntnis schließen. Gestützt wird diese These durch eine, bislang allerdings nicht bestätigte Zeugenaussage von Anfang Dezember: Damals hatte ein Informant beim BKA angegeben, dass die drei aus Zwickau in der rechtsradikalen Szene im Westen bekannt, ja berühmt gewesen seien. Neonazis aus dem Westen hätten den Ostlern sogar beim Auskundschaften der Tatorte geholfen.

  • Das mittlweile berühmte Papier des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) »Chronologie der Erkenntnisse und operativen Maßnahmen nach Abtauchen der NSU-Mitglieder« 12.12.2011 hat noch so einige spannende Details parat. So gab es mit Jürgen H. einen weiteren bestens überwachten Kontaktmann zur NSU, möglicherweise ein V-Mann des MAD:

    Bei dem abgehörten Verbindungsmann [der NSU] handelt es sich um Jürgen H. aus Jena. […] Anders ist nicht zu erklären, dass ein Telefon von H. zwischen dem 17. März und 22. April 1998 vom LKA Sachsen überwacht worden ist. […] Demnach wurde H. am 15. September 1999 vom Militärischen Abschirmdienst (MAD) befragt. Dabei gestand er laut BfV-Bericht „seine Kuriertätigkeit für die Flüchtigen ein“. Er habe in dieser Befragung weiterhin angegeben, „von Beamten des LKA (vermutlich Thüringen) befragt worden zu sein, wobei er lediglich bestätigt habe, was die Beamten des LKA ohnehin schon gewusst hätten“.

    War also Jürgen H., der »ein Freund des Thüringers Ralf Wohlleben« ist, der Kurier, welcher die Waffe, die Carsten Schultze kaufte, nach Chemnitz brachte? (s.u.)
    Über die vom LKA Sachsen abgehörten Gespräche von Jürgen H. führt die Spur der Waffen in die Schweiz: Laut Tagesanzeiger sei die Tatwaffe Ceska 83 von einem »Solothurner Importeur« eingeführt worden und von dem Zwischenhändler Schäfli & Zbinden Handels AG in Niederwangen bei Bern an Anton G. im Berner Oberland geschickt worden, der zwischenzeitlich festgenommen wurde. Das BKA konnte die ausgeschliffene Seriennummer 034678 wieder sichtbar machen. Ebenso wurde eine zweite Person aus der gleichen Region festgenommen, der vorgeworfen wird, die Waffe von Anton G. bekommen und weitergegeben zu haben. Laut Süddeutscher Zeitung hat die Staatsantwaltschaft Berner Oberland »eine Art Sonderkommission« in Thun eingerichtet. Ein rechter Hintergrund der beiden festgenommenen Schweizer ist bislang nicht bekannt. Darüber hinaus gebe es eine Rechtshilfeersuchen nach Zürich wegen einer weiteren Waffe der NSU, einer Pumpgun des Typs Mossberg Maverick 88. Laut dem Spiegel könnte diese Waffe durch die zwei sächsische Neonazis Pierre J. und Herrmann S. an den NSU gelangt sein:

    Zwei Mitarbeiter dieser Firma, [ein sächsischer Video- und Computerspiel-Verleih,] der 35-jährige Pierre J. und der 42-jährige Herrmann S., stehen im Verdacht, den mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos vor knapp zehn Jahren bei der Beschaffung von Waffen unterstützt zu haben. Den Ermittlungen zufolge war Mundlos unter falschem Namen als Kunde der Firma registriert und tauchte in den Jahren 2002 und 2003 mehrmals dort auf. Über einen der Männer könnte er an eine Pumpgun gekommen sein, die im November im ausgebrannten Wohnmobil der Terrorzelle gefunden wurde.

    Das Neue Deutschland präzisiert:

    Dabei geriet ein Secondhand-Video-Verleih mit Filialen entlang der A 4 in Chemnitz, Zwickau, Annaberg und Dresden ins Visier. Zwei Mitarbeiter - der 35-jährige Pierre Jahn und der 42-jährige, ursprünglich aus dem Saarland stammende Herrmann Schneider - sind verdächtig, die Nazi-Terroristen unterstützt zu haben. Bei Hausdurchsuchungen unter anderem in Ehrenfriedersdorf bei Chemnitz wurden Waffen, Nazi-Devotionalien, CDs mit rechter Musik und die Attrappe einer Raketenwerfer-Granate gefunden.

    Dazu ist anzumerken, daß Ehrenfriedersdorf nicht nur bei Chemnitz, sondern im Erzgebirgskreis liegt, jedem Landkreis, in dem in Johanngeorgenstadt und Aue die wichtige Unterstützerstruktur »Weiße Bruderschaft Ost« ihren Aktionsradius hat.

  • Endstation Rechts widmet sich den 160 bundesweit abgetauchten Neonazis, wie z.B. Gerhard Ittner, »Anhänger des einstigen Rechtsterroristen Manfred Roeder«.
  • Über die Verbindungen von Claus Nordbruch nach Deutschland hat die Wochenzeitung Kontext eine Recherche zusammengetragen: Über das Hilfskomitee Südliches Afrika bestehen Beziehungen zu einem emeretierten Stuttgarter Professor. Jedoch sei der Vorsitzende Hartmut Fröschle zugleich Verwaltungsrat bei VDA-Globus, ein Verein für »Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland«, der bis 1955 »Verein für das Deutschtum im Ausland« hieß und dessen Vorsitzender Staatssekretär im Bundesfinanzministerium ist.
  • Ebenfalls nach einem Bericht der Wochenzeitung Kontext gerät die Rechtsanwältin von Ralf Wohlleben, Nicole Schneiders, in dem Fokus der Recherchen. Demnach rät in einem 2006 gehackten Forum des »Aktionsbündnisses Rhein-Neckar« eine Nutzerin »Nicole« sich bei der ihrer Kanzlei zu melden – einschließlich der Telefonnummer der Kanzelei H3. Zu illegalen Waffenbesitz meint die offenbar authentische Foren-Nutzerin:

    Lagert in eurer Wohnung keine Waffen, es sei denn, ihr besitzt für eine bestimmte Waffe einen diesbezüglichen Waffenschein oder eine Waffenbesitzkarte.

    Dies entspricht dem Combat 18-Handbuch:

    Keine Zelle sollte in den bewaffneten Kampf einsteigen, wenn sie keinen sicheren Ort hat, wo sie Waffen, Munition und gesammelte Informationen usw. verstauen kann.

    Schneiders Kollege Steffen Hammer soll wiederum laut zahlreichen Quellen mit dem Label GBF das Blood & Honour - Netz in Deutschland etabliert haben, zu dem Combat 18 gehört. Zu dem Aktionbündnis zitiert Kontext den Verfassungsschutzbericht BW:

    Als typisches Beispiel für länderübergreifende Netzwerkstrukturen innerhalb des deutschen Neonazismus kann das Aktionsbüro Rhein-Neckar gelten, das seit dem Jahr 2003 im Dreiländereck zwischen Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz arbeitet. Es koordiniert im gesamten Rhein-Neckar-Raum die Aktivitäten der dortigen rechtsextremistischen Neonazi- und Skinheadgruppierungen. Außerdem ist es personell mit der NPD verflochten und pflegt enge Kontakte zu rechtsextremistischen Führungspersonen sowie Gruppierungen in den angrenzenden Regionen.«

    Nach dem Kontext-Bericht soll auch André Kapke in dem Forum geschrieben haben, ein enger Vertrauter Wohllebens. Pikant ist zudem, daß das führende Hammerskin-Mitglied Malte Redeker als Aktivist des Aktionsbüros beschrieben wird. Hier wird also eine weitere Kontinuität zwischen Blood & Honour und den Hammerskins deutlich.

Nachtrag zu Manfred Roeder

DerWesten Rechercheblog über Carsten Schultze:

Weiter soll Carsten S. dabei geholfen haben, einen sicheren Unterschlupf für die Terroristen zu suchen.

So sei er in die Gespräche mit dem bundesweit bekannten Neonazi und ehemaligen Funktionär der NPD, Thorsten H., involviert gewesen, der bei der Suche nach einem sicheren Quartier im Ausland helfen sollte. Im September 1999 berichtete Carsten S. allerdings, die Gespräche mit Thorsten H. würden nicht zu einem greifbaren Ergebnis führen und zögen sich hin.

Am 21. September 1999 erkundigte sich S. zudem nach Kontakten zum früheren Rechtsterroristen Manfred R. Dieser sollte mit seinen Auslandsverbindungen einspringen, da die Abgetauchten „unbedingt“ ein neues Versteck benötigten.

Eine Verbindung zu Manfred Roeder von den Deutschen Aktionsgruppen wäre schon sensationell – aber hier ist ja nur von »Erkundigungen nach Kontakten« im September 1999 die Rede – einen Überblick zu diesen Kontakten findet sich in dem Spiegel-Beitrag von 1981 Weltweit Teutonic Unity. Böhnhardt, Zschäpe und Mundlos hatten im Herbst 1996 in Erfurt einen Prozess gegen Roeder aufgrund eines Farbanschlages auf die Wehrmachtsausstellung besucht: Das berühmte Foto mit Kapke, Wohlleben, Mundlos und Böhnhardt wurde im Rahmen des Prozesses geschossen. Roeders Deutsche Aktionsgruppen waren 1980 unter Anstiftung von Roeder durch Raymund Hörnle und Sibylle Vorderbrügge für eine mit der NSU vergleichbaren Anschlagsserie verantwortlich. Darüber hinaus waren Hörnle und Vorderbrügge mit dem Oktoberfestattentäter Gundolf Köhler befreundet (vgl. Jens Mecklenburg: Gladio) und wahrscheinlich an dem Anschlag beteiligt. Den Sprengstoff hatten sie von Heinz Lembke, der als Gladio-Waffenmeister Erddepots anlegte. (Diese Information ist teils falsch und teils nicht überprüfbar: Hörnle und Vorderbrügge z.B. waren z.Z. des Attentats schon in Haft.) Über Lembke schrieb Hagalil (»Terroristische Einzeltäter-Vereinigungen?«):

Noch in den Tagen zwischen den Hamburger Morden und ihrer Verhaftung suchten Roeder, Vorderbrügge und Hörnle den dortigen Revierförster Heinz Lembke auf, um Sprengstoff für weitere Anschläge zu beschaffen. Den Vernehmungsprotokollen Roeders bei der deutschen Bundesanwaltschaft (BAW) ist zu entnehmen, daß Roeder und Lembke gute Freunde waren, die sich oft trafen, um Anschläge zu besprechen.

Über das Ausmaß klärt Olaf Goebel (in J. Mecklenburg: Gladio) auf. Demnach sagte Roeder über Lembke:

Dieser habe seinem »Freundeskreis« angehört und sie haben sich oft getroffen. Dabei sei detailliert über Anschläge auf »Richter, Landräte und eine im Bau befindliche Polizeischule bei Gorleben« gesprochen worden.

Auch hat Peter Naumann, der gemeinsam mit Lembke Anschläge beging in Frielendorf im Schwalm-Eder-Kreis seinen Hauptwohnsitz – dort fand das LKA noch 1995 zwei RohrbombenDer Spiegel schrieb 1982 zu Hörnle und Vorderbrügge:

Die beiden zündelten und bombten quer durch die Republik, »um Ausländer zu erschrecken« (Vorderbrügge): In Flüchtlingsheimen in Hamburg und im württembergischen Leinfelden legten sie Feuer, im fränkischen Zirndorf und im badischen Lörrach ließen sie Sprengkörper detonieren.

Und nun kommt der Hammer: Schultze erkundigte sich laut DerWesten nach Auslandsverbindungen von Mandred Roeder. Roeder war nun mit Claus Nordbruch in Südafrika befreundet. Laut Wikipedia: »Im Sommer 2001 moderierte er eine Vortragsveranstaltung des Holocaustleugners Manfred Roeder in Pretoria (Südafrika).« Laut diverser Berichte wollte die NSU in Südafrika bei Nordbruch abtauchen. Und bei Nordbruch war ja auch Tino Brandt zu Besuch. (vgl. Interview in »Blood&Honour« Heft 9/2000). Hat Roeder also diese Verbindung zu Nordbruch erst hergestellt. Welche Beziehung hatte also Brandt zu Roeder? Interessanterweise hat Manfred Roder sein Anwesen im Schwalm-Eder-Kreis bei Kassel, der für seine gewaltbereite Kameradschaft ja bereits Erwähnung gefunden hat (s.o.). Laut Wikipedia bestand noch ein weiterer Link zwischen Roeder und den Jungen Nationaldemokraten durch das »Nationale und Soziale Aktionsbündnis Westthüringen« – Patrick Wieschke wohnte in Eisenach nur ca. 50 Kilometer von Roeder in Schwarzenborn bei Kassel entfernt.

Gründer, treibende Kraft und Pressesprecher ist Patrick Wieschke (* 1981) aus Eisenach, der gleichzeitig auch Anführer und Pressesprecher der aktivsten Teilorganisation, der „Kameradschaft Eisenach“ (KamESA) und mit verwobenen Kleinstgruppen wie der „AG Propaganda“ ist. Das NSAW verteilte im Juli 2000 ein antisemitisches Rundschreiben des Rechtsterroristen Manfred Roeder an 2000 Eisenacher Haushalte.

Zu weiteren Verbindungen Roeders in Thüringen siehe den entsprechenden Nachtrag.

Roeder verfügte über ein umfassendes internationales Netzwerk, das auch in die USA zu Richard Butler von Aryan Nation reichte, der ihn mehrmals einlud. Dieser stand nach dem Buch »The emergence of a Euro-American radical right« in enger Beziehung mit Louis Beam, dem ursprünglichen Autoren des Konzeptes von »Leaderless Resistance«. Zwar ist diese Verbindung von Roeder zu Beam indirekt, aber Roeder und Butler tauschten Anfang der 80er sehr intensiv Kontakte aus – so gab Roeder Kontakte in Spanien, der Schweiz, Skandinavien und Australien preis. Daneben läßt sich eine Verbindung zwischen Roeder und Beam über das frühere Ku Klux Klan-Mitglied David Duke herstellen, der mit Beam zu einem Regionalchef des KKK ernannte. Roeder hat Duke mehrmals in den USA besucht. Darüber hinaus war Roy Armstrong-Godenau Sprecher von David Duke in Lousiana und lebt als Vetrauter von Roeder wie dieser im Schwalm-Eder-Kreis.  Als dritter prominenter Nazi wohnt der früherere Rechtsterrorist Peter Naumann im gleichem Landkreis – quasi zwischen Armstrong-Godenau und Roeder.

Tatsächlich scheint laut »The Silent Brotherhood: Inside America's racist underground« eine engere Verbindung zwischen Roeder und Beam zu bestehen:

By the summer of 1982, Butler was becoming a leading figure in the racist movement. His 1982 Aryan World Congress from July 9 to 11, the annual event that grew out of the 1979 Kingdom Identity Conference, would be his biggest yet. And it would serve well Butler's ambition Gathering Aryans, the Covenant People 89 to unify the fragmented radical right. All of the important figures in the movement would be coming to his turf. […] Thirteen different Ku Klux Klan organizations and a number of neo-Nazi groups made reservations. Butler's array of guests and speakers came from across the country. They included Alexi Erlanger of Buffalo, New York, a Russian immigrant who was Manfred Roeder's point man in the United States; Robert Miles, of the Mountain Kirk of Jesus Christ in Cohoctah, Michigan, one of Butler's closest allies, who served six years in the federal prison at Marion, Illinois, for his role in the bombings of empty school buses in Pontiac; J. B. Stoner, head of the National States Rights Party in Georgia, who had yet to serve prison time for his role in the 1956 bombing of a black church in Birmingham, Alabama; Louis Beam, Jr., a Texas Klan leader who led a paramilitary training camp at Anahuac, Texas; and Traudel Roeder, Manfred's wife.

und »The United States and Germany in the era of the Cold War, 1945-1990« beschreibt Roeders Rolle in den USA:

Roeders main objective during the time he spent in the United States […] was to unite the diverse - but legal - extreme right in the United States and then link it with the largely illegal German right. In July 1980, Roeder met with the leader of the White Aryan Resistance, Tom Metzger, and stayed at his home, as he had said that he organized a number of meeting for Roeder in Southern California during the period and later for Roeder's wife Traudel while Roeder himself was imprisoned in Germany.

Das ist insofern spannend, da Tom Metzger das »Leaderless Resistance«-Konzept aufgegriffen und weiterentwickelt hat. (siehe Nachtrag zu Leaderless Resistance). Auch der Polizistenmörder Kay Diesner stand laut Spiegel 10/1997 in einer Beziehung zum »White Aryan Resistance«.

Und auch in Europa war Roeder laut »The emergence of a Euro-American radical right« die Spinne im Netz:

In the late 1970's an early 1980's the Belgian neo-Nazi-Organsiation Flemish Militant Order took the lead in promoting European-wide cooperation among various groups. In 1979 the Aid Association for National Political Prisoners and Their Relatives was formed for the purpose of coordinating neo-Nazi operations. In 1987 a European neo-Nazi congress was held in Antwerp, Belgium. More than 250 neo-Nazi delegates from the different West European democracies attended the gathering which, among other things, passed a resolution in support of a fight for a »free and white Europe.« When German police authorities became fully aware of the networks activities, in the course of arresting one of its leaders, they reported that American neo-Nazis played an extensive role in promoting the work of their European counterparts and of the success they enjoyed in fund raising in the United States. Although the police was successfull in dismanteling the Belgium-centered intiative, particulary after the arrest of one of the key Germans involved, Manfred Roeder, this had hardly been the end of things.

Auch in Südamerika war Roeder nicht unbekannt:

Die Colonia Dignidad kann als Knotenpunkt des lateinamerikanischen Nazitums betrachtet werden. Zu den Besuchern gehörten der Rechtsanwalt Manfred Roeder, der Autor des Vorwortes zu dem Buch »Die Auschwitz-Lüge«, der ehemalige Marinesoldat Hans Albert Loeper, der in Chile lebt, weil dort die »vergeistigte Macht Hitlers« gegenwärtig sei, und der ebenfalls nach Südamerika geflohene frühere SS-Mann Hugo Roggendorf. Der Waffenhändler Gerhard Mertins, ein Partner des SS- Obersturmführers und intellektuellen Kopfes der frühen Neonazis Otto Skorzeny, unterhielt geschäftliche und politische Beziehungen zu Schäfer. Über ihn bestand auch Kontakt zum »Schlächter von Lyon«, Klaus Barbie, der unter der Diktatur des - soeben zum bolivianischen Präsidenten gewählten - Hugo Banzer die Foltermethoden »modernisierte« und Elektroschocks unter ärztlicher Kontrolle einführte.

Klaus Barbie hat laut Daniele Ganser Gladio in Deutschland wesentlich mitaufgebaut. Der Verfassungsschutz weigert sich bis zum heutigen Tag, Akten über Barbie herauszugeben. Ganser:

The US Justice Department, during its 1986 press conference did not reveal the use of Barbie for the stay-behind and wrongly stressed that next to Barbie 'no other case was found where a suspected Nazi war criminal was placed in the ratline, or where the ratline was used to evacuate a person wanted by either the United States government or any of its post-war allies'. This claim was false as the most prominent Nazi reunited by the CIC was not the Butcher of Lyon Klaus Barbie but Hitler's General Reinhard Gehlen. […] Klaus Barbie had played a leading role in setting up the German staybehind BDJ-TD.

Aber unser Kandidat Roeder ist auch in weiterer Hinsicht interessant:

1983 offenbarte sich in Berlin Werner Lock der Polizei, ebenfalls ein V-Mann. Er berichtete von einem konspirativen Treffen am 17. Juni 1977, bei dem Nazi-Terroristen der »Wehrsportgruppe Hoffmann« und der »Deutschen Aktionsgruppen« des Manfred Roeder Absprachen für Anschläge und Überfälle getroffen hatten. Ein Zehntel der Anwesenden Nazis bei diesem Treffen waren V-Männer.

Ob diese Information zutreffend ist, ist von fast historischer Bedeutung: Denn immer wieder wurde eine Vermutung formuliert, es gebe eine Verbindung zwischen dem mutmaßlichen Gladio-Depotmeister Heinz Lembke und dem Oktoberfest-Attentäter Gundolf Köhler – doch die Behauptung, Köhler sei mit Hörnle und Vorderbrügge von Roeder Deutschen Aktionsgruppen befreundet gewesen, basiert auf keiner Quelle. Wenn aber der Lembke-Freund Roeder mit der Wehrsportgruppe zusammen Anschläge plante und der VS davon wußte ohne einzuschreiten, muß die Rolle von Gladio als Impulsgeber des Rechtterrorismus in Deutschland neu bewertet werden. Das von Lembke und Naumann verwaltete Waffendepot wurde auch von Fachleuten aus dem Militär eindeutig Gladio zugeordnet – in dieser Hinsicht zählt auch Manfred Roeder als enger Vertrauter der beiden zum Gladio-Netzwerk.

Neben dieser Hauptlinie war Odfried Hepp ein Bindeglied zwischen Köhler und dem Co-Depotverwalter von Lembke, Peter Naumann – jedoch war er zum Zeitpunkt des Attentat offenbar im Libanon. Später arbeitete Hepp für das MfS. Der Spiegel:

Gelegentlich rief bei Odfried Hepp auch jener Gundolf Köhler an, der mutmaßlich für das Bombenmassaker beim Münchner Oktoberfest verantwortlich war.

und zu Peter Naumann Wikipedia:

Gemeinsam mit Odfried Hepp und Walter Kexel, zwei Mitgliedern der Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands (VSBD), plante Naumann 1982 die gewaltsame Befreiung von Rudolf Heß aus dem Kriegsverbrechergefängnis Spandau, zerstritt sich jedoch mit diesen, so dass die Pläne unausgeführt blieben.

und auch zu Manfred Roeder stand Hepp laut dem BNR in Kontakt:

Hepp lernt im Laufe der Zeit einige bedeutende Rechtsextremisten kennen, darunter das Ehepaar Müller aus Mainz und Manfred Roeder.

auch arbeiten Peter Naumann und Manfred Roeder nach einer Parlamentarischen Anfrage der PDS von 1995 eng zusammen. Sie leben auch nahe Kassel quasi benachbart:

Während einer Podiumsdiskussion am 2. Juni 1995 in Hermannsburg (nahe Celle), veranstaltet von einem antifaschistischen Bündnis gegen das Nazizentrum in Hetendorf, provozierte der Rechtsextremist Peter Naumann zusammen mit dem »Auschwitz-Leugner« und Rechtsterroristen Manfred Roeder die Versammlung.

Zu Gladio sagte Tobias von Heymann 2010 im Interview:

Wir sprechen hier insgesamt über einen rechtsterroristischen Untergrund, der nicht nur extrem gewalttätig, sondern auch höchst konspirativ und grenzüberschreitend aktiv war. […] Zugang zu diesem terrorisierenden Netzwerk hatten einige.

Tatsächlich entspricht diese Charakterisierung recht genau unserem heutigen Fall: Ein grenzüberschreitendes, höchst konspiratives Netzwerk im rechtsterroristischen Untergrund. Natürlich kann daraus keinesfalls automatisch geschlossen werden, daß die NSU als eine staatlich gelenkte Struktur gesehen werden muß – dafür fehlt bislang jeglicher Beleg. Sollte sich allerdings eine Verstrickung des mutmaßlichen Gladio-Agenten Manfred Roeder in das NSU-Netzwerk belegen lassen, ist dies ein wichtiges Indiz dafür.

In der englischen Wikipedia wird wurde behauptet, daß Manfred Roeder ein Agent des amerikanischen Geheimdienstes CIC war. Diese Information bezieht sich auf das Buch von Richard Breitman »U.S. intelligence and the Nazis«. Doch diese Information ist aber offenbar falsch, da ein anderer Manfred Roeder (judge advocate general) gemeint ist.

Nachtrag zu den 38 Erddepots

  • Eine der interessantesten und merkwürdigsten Spuren ist an dieser Stelle leider untergegangen: Der Obdachlose Michael Krause kam 25.5.2008 in Franken zwischen Bayreuth und Bindlach in eine Polizeikontrolle und erschoss sich nach einer Schießerei mit der Polizei. Dabei hatte er einen geheimen Lageplan für Erddepots mit Bomben und Sprengstoff in Thüringen, Bayern, Sachsen und Österreich. Die Bomben ähneln der Kölner Bombe der NSU erheblich. Er war offenbar der Laufbursche, nach den Hintermännern wurde nicht umfänglich gefahndet.
    Darüber berichteten der Nordbayrische Kurier, die Freie Presse, BILD, Neues Deutschland, tz. Frankenpost, der Kurier. Laut tz:

    Vielmehr fanden sich in Krauses Rucksack 38 verschlüsselte Lagepläne zu geheimen Erddepots in Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Bayern und Österreich. Als sie im Sommer 2009 gehoben wurden, stie­ßen die Spezialisten vom Bayeri­schen Landeskriminalamt auf ein Waffen- und Bombenlager, das die explosiven Vorräte der Zwickauer Zelle noch weit übertraf.

    Und laut Nordbayrischen Kurier:

    In den Listen waren Gegenstände vermerkt, die bei der Kripo die Alarmglocken schrillen ließen: Handgranaten, Sprengstoff, Bomben, Zünder und Schusswaffen. […] Die aus verschraubten Rohren, aus Feuerlöscherbehältern oder Gasflaschen hergestellten Bomben waren zum Teil mit selbst gemischtem Sprengstoff befüllt und in allen Fällen funktionsfähig und mit verheerender Wirkung.

    Und laut Frankenpost:

    Als die mysteriösen Zahlenreihen der Karten entschlüsselt waren, machten sich Spezialisten vom Bundesnachrichtendienst und den Landeskriminalämtern im Sommer 2009 daran, die zwanzig Depots unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen auszuheben. Eines davon soll in Hochfranken gelegen haben, ein weiteres im Veldensteiner Forst bei Pegnitz.

    Die Mittelbayrische Zeitung schrieb:

    In Anbetracht des zu erwarteten Inhaltes wurden Beamte der Technischen Sondergruppe des Bayerischen Landeskriminalamtes (TSG) aus München eingesetzt. Sie bargen in verschiedenen Erdlagern zehn Liter zündfähigen Sprengstoff, mehrere selbstgebastelte Handgranaten und Sprengkörper mit funktionsfähigen Zündvorrichtungen.

    Der Kurier:

    Die Spezialisten fanden in den Erdlagern ein Arsenal an Sprengkraft. Die Bomben waren mit höchster Präzision gefertigt, darunter auch Zehn-Kilo-Bomben, mit denen man ganze Gebäude hätte zerstören können.

    Und InFranken.de:

    Der Wohnsitzlose war jahrelang mit seinem Fahrrad unterwegs, hielt sich unter anderem in Kulmbach, Hochstadt am Main und Bayreuth auf.

    Die Freie Presse schreibt:

    Im Polizeipräsidium Oberfranken wird vermutet, Michael K. könnte der oder ein Waffen- und Bombenlieferant der Zwickauer Terrorzelle mit Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gewesen sein. […] Michael K. hatte 2005 seinen letzten festen Wohnsitz in Plauen, wo er dem Staatsschutz mit »Scheiß-Staat!«- und Heil-Hitler«-Gebrüll in der dortigen Kfz-Zulassungsstelle aufgefallen sein soll. Vor allem machte die Ermittler aktuell eine seiner Bomben stutzig. Die gleich wie ein Ei dem anderen der Nagelbombe der Terrorzelle »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU), mit der 2004 in Köln ein blutiger Anschlag verübt worden war. Zu sehen war die Bombe in dem Bekenner-Video der Täter. […] Offen ist, ob Nachrichten über Waffenfunde in Sachsen aus den zurückliegenden zwei Jahren mit diesen Depots zu tun haben.

    Ebenso läuft mittlerweile eine parlamentarische Anfrage im Österreichen Parlament zu den drei Verstecken in der Alpenrepublik. Laut einem Bericht des Kuriers wurde Michael Krause mit Waffen aufgegriffen, aber wieder laufen gelassen. Bereits 2009 stellte Hans-Christian Ströbele eine parlamentarische Anfrage (Drucksache 16/14157):

    Welche Informationen hat die Bundesregierung zu den bundesweit über 20 aufgedeckten Waffen- und Bombendepots, die auf chiffrierten Karten eines Obdachlosen verzeichnet waren, wie der Bayerische Rundfunk am 18. September 2009 berichtete, und kann die Bundesregierung ausschließen, dass die Depots mit Unterstützung oder durch Finanzierung inländischer oder ausländischer Nachrichtendienste oder militärischer Organisationen angelegt wurden?

    […] Das Bundeskriminalamt war informatorisch seit Juni 2009 im Rahmen einer Abfrage von Unterstützungskräften zur geplanten bundesweiten Depotöffnung über den Sachverhalt informiert. Bereits im Mai/Juni 2009 konnten erste Depots im Raum Oberfranken, in denen sich u. a. Schwarzpulver und Zündwerk befanden, lokalisiert und geöffnet werden. Weitere Depots befanden sich unter anderem in Thüringen, Sachsen, Brandenburg, Berlin sowie in Österreich und wurden am 17. September 2009 durch Entschärfer der zuständigen Landeskriminalämter geöffnet. Dabei konnten unter anderem eine Pistole Walther PP (Kaliber 7,65 mm) sowie dazugehörige Munition, eine Eigenbauwaffe mit elektrischer Funkenzündung und mehrere kleine sowie große Feuerlöscher, von denen einer ein Sprengstoff-Selbstlaborat enthielt, gefunden werden. Sämtliche Gegenstände waren bereits mit Zündern versehen und voll funktionstüchtig. Bei dem verwandten Selbstlaborat handelte es sich um eine Chlorat-Zucker-Mischung, wovon darüber hinaus zwei volle Fünf-Liter-Kanister aufgefunden wurden. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen handelt es sich um einen Einzeltäter ohne staatsschutzrelevanten Hintergrund. Die Motivation des Täters zur Sammlung bzw. Lagerung der Gegenstände ist ungeklärt. Es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die Depots mit Unterstützung oder durch Finanzierung inländischer oder ausländischer Nachrichtendienste oder militärischer Organisationen angelegt wurden.

    Fazit: Ein obdachloser und psychisch kranker Mann fährt mit dem Fahrrad durchs Land und legt ohne technische Ausbildung an 38 Orten in 5 Bundesländern und 2 Staaten Waffenlager mit professionell gebauten Bomben an? Und die Polizei vemutet keinen größeren Hintergrund, sondern einen Einzeltäter? Die Frage nach der Quelle des Materials taucht gar nicht erst auf. Das ist absurd.
    Die in den Depots gefundenen Bomben verwenden augenscheinlich (Fotos) nicht die gleichen Gasflaschen wie die in dem Bekennervideo gezeigte. Laut Kölner Stadtanzeiger handelte es sich bei der Kölner Bombe »lediglich« um eine 3L Gasflasche mit Schwarzpulver und 10 cm langen Nägeln. Offenbar war aber in den Depots auch Schwarzpulver vorhanden. Bislang fehlt allerdings ein forensicher Vergleich. Dennoch ist das Selbstlaborat einer Chlorat-Zucker-Mischung mit etwas Erfahrung leicht erhältlich und selbst herstellbar. Das gleiche gilt natürlich für Schwarzpulver. Auch scheint die Benutzung und Bau solcher Bomben laut eines Papiers eines LKA-Mitarbeiters nicht allzu ungewöhnlich. Bemerkenswert sind aber die 38 Erddepots.

  • Merkwürdig ist die Parallele zu dem Fall des Rechtsradikalen Michael Berger 2000 in Dortmund, der ein Freund von oben erwähnten V-Mann Sebastian Seemann war. Auch er geriet aufgrund einer Lapalie in eine Polizeikontrolle, schoß auf die Polizisten (und tötete drei), erschoß sich darauf selbst – ebenfalls in den Kopf. Sowohl Berger als auch Krause werden als isolierte Einzeltäter mit psychischen Problemen bewertet.
  • Darüber hinaus drängt sich in dem Fall Michael Krause ein weiterer Verdacht auf: 2010 durchsuchte die »Soko Feuerball« Objekte in Thüringen, Bayern und Sachsen nach dem Sprengstoff C4. Wurde eine Verbindung der beiden Fälle untersucht? Hatte man 2009 bereits gefunden, wonach man 2010 suchte? Falls die Aussage über die Spengwirkung des Kuriers richtig ist (»Zehn-Kilo-Bomben, mit denen man ganze Gebäude hätte zerstören können«, vgl. Panzerminen und Video) , handelt es sich bei den Funden um militärischen Sprengstoff wie TNT oder Hexagon bzw. entsprechende Derivate wie C4. Wie ja die Anfrage Ströbeles zeigte, war in den Depots kein Plastiksprengstoff.

    Er [Andre Kapke] soll mit fünf weiteren Rechtsextremisten den hochexplosiven Plastiksprengstoff C4 beschafft haben. Die Ermittlungen sind seit mehr als einem Jahr im Gange, die Polizeidirektion Saalfeld bildete Fall eine „Soko Feuerball“. Im Oktober 2010 durchsuchten Beamte insgesamt 16 Objekte in Thüringen, Sachsen und Bayern. Der Sprengstoff blieb jedoch unentdeckt. Eine Zeitlang vermutete die Staatsanwaltschaft Gera, vielleicht hätten einige der Beschuldigten nur schwadroniert, als sie in abgehörten Telefonaten über Transport und Lieferung des C4-Sprengstoffs sprachen.

Nachtrag zum Konzept des "Leaderless Resistance"

  • Zum Konzept des »Leaderless Resistance« / »Eine Bewegung in Waffen« eine ist eine Fußnote aus folgendem Verfassungsschutzbericht lesenswert, die sich interessanterweise auf die Antifaschrift »Drahtzieher im braunen Netz« bezieht. Zitat S. 41:

    Die Bildung von „Werwolfeinheiten“ – kleiner selbständiger Kampfeinheiten aus dem Untergrund und unter gemeinschaftlicher Führung – wurde in der 1992 verbreiteten und von Christian Scholz und Henry Fiebig verfassten Schriftenreihe „Eine Bewegung in Waffen“ propagiert (vgl. dazu etwa Antifaschistisches Autorenkollektiv, Drahtzieher im braunen Netz. ein aktueller Überblick über den Neonazi-Untergrund in Deutschland und Österreich, Hamburg 1996, S. 54-56). Der amerikanische Rechtsextremist Louis Beam formulierter Anfang der 1990er Jahre die Idee vom „leaderless resistance“, demzufolge geheime Widerstandzellen auf gemeinsamer ideologischer Basis, aber ohne gemeinsame Führung, Organisation oder Vernetzung den Staat bekämpfen sollen. Der vom inzwischen verstorbenen US-amerikanischern Rechtsextremisten William Pierce verfasste Roman „Turner Diaries“ schildert den terroristischen Kampf seines fiktiven Protagonisten Earl Turner gegen Farbige, Juden und das gesamte politische System der USA.

    Daher wäre es hilfreich, die Ideengeschichte dieses Konzeptes nachzuvollziehen, welches bemerkenswerterweise Anfang der 90er Jahre – nach Ende des Kalten Krieges – auftaucht. Insofern erscheint es zumindest denkbar, daß es sich bei den daraus erwachsenden Strukturen um ein Auffangbecken vormaliger Gladio-Zusammenhänge handeln könnte: Denn das Konzept dezentraler rechtsterroristischer Gruppen (»geheime Widerstandzellen auf gemeinsamer ideologischer Basis, aber ohne gemeinsame Führung«) findet sich zweifellos eben genau dort in vergleichbarer Form wieder. Die Zellen sollten bis 1991 aufgelöst werden, 1992/3 taucht dann (s.o.) das gleiche Konzept in neuen Kleidern auf.
    Dies mag natürlich auch Zufall sein, denn sowohl »Eine Bewegung in Waffen« und »Leaderless Resistance« stammen aus dem Jahr 1992 – dies wäre eine arg schnelle Adaption. Dennoch hatte der der Autorenschaft für erstere Schrift verdächtigte Christian Malcoci (zu diesem auch dieser Text und dieser) via NSDAP/AO Kontakte in die USA. Dagegen meint das apabiz zu der Organisation:

    Seit den Organisationsverboten setzt eine theoretische Umorientierung ein. Im Herbst 1993 schreibt der NS-Kampfruf, »daß der bewaffnete Kampf unter dem Zeichen des Werwolfes« eine logische Fortsetzung der Propaganda sei. Im NS-Kampfruf wurde die Schrift Bewegung in Waffen, hinter der die Staatsanwaltschaft Hamburg die beiden NSDAP-Mitglieder Henry Fiebig und Christian Scholz vermutet, abgedruckt.

    und von anderer Seite:

    Schon zuvor waren seit Mai 1995 Internetseiten der NSDAP/AO über verschiedene andere Nazi-Gruppen abrufbar, so zum Beispiel bei den militanten Neonazis der „Aryan Nations“ um den amerikanischen Neonazis Richard Girnt Butler. […] Maßgeblich an der Erstellung dieser Anleitung zum Terror waren die beiden deutschen Neonazis Henry Fiebig und Christian Scholz beteiligt, beide Kader der 1992 verbotenen Neonazigruppe „Nationalistischen Offensive“ (NO), Scholz darüber hinaus Schriftleiter der neonazistischen HNG – sie hatten unter anderem dafür 1997 dafür ihren Prozeß in Deutschland.

  • Wie nun auch immer – das ursprüngliche Konzept von »Leaderless Resistance« stammt innerhalb der Naziszene von dem texanischen Ku-Klux-Klan-Ritter Louis Beam, das dieser zunächst 1983 intern für einen KKK-Newsletter schrieb und erst 1992 in seiner Zeitschrift »The Seditionist« veröffentlichteDessen Text wurde, wie auch die SZ schreibt, von einem 1953 erschienenen Text dem OSS und später CIA-Mann Ulius Louis Amoss inspiriert. Dieser arbeitetete unter Frank Wisner Sen., dessen Aufgabenbereich Wikipedia wiedergibt:

    […] propaganda, economic warfare, preventive direct action, including sabotage, antisabotage, demolition and evacuation procedures; subversion against hostile states, including assistance to underground resistance groups, and support of indigenous anti-communist elements in threatened countries of the free world.

    Dazu gehört auch:

    Another project started by Wisner was called Operation Bloodstone. This secret operation involved recruiting former German officers and diplomats who could be used in the covert war against the Soviet Union. This included former members of the Nazi Party such as Gustav Hilger and Hans von Bittenfield. Later, John Loftus, a prosecutor with the Office of Special Investigations at the U.S. Justice Department, accused Wisner of methodically recruiting Nazi war criminals.

    und laut Daniele Gansers Standardwerk »NATO's Secret Armies«:

    As Washington shared this enemy of Great Britain, military and secret service cooperation between the two countries was very close. On the orders of the White House in Washington, Frank Wisner, Director of the CIA covert action department Office of Policy Coordination (OPC), was setting up stay-behind secret armies across Western Europe and in his operations collaborated closely with the Special Operations branch of MI6 of Colonel Gubbins.

    und ebendort:

    When the Gladio scandal erupted in 1990 an unnamed former NATO intelligence official explained that the covert action branch of the CIA under Frank Wisner in order to set up the German secret army had »incorporated lock, stock and barrel the espionage outfit run by Hitler's spy chief Reinhard Gehlen. This is well known, because Gehlen was the spiritual father of Stay Behind in Germany and his role was known to the West German leader, Konrad Adenauer, from the outset.«According to the unnamed NATO officer, US President Truman and German Chancellor Adenauer had signed a secret protocol with the US on West Germany's entry into NATO in May 1955 in which it was agreed that the West German authorities would refrain from active legal pursuit of known right-wing extremists.

    Anmerkung: Das die westdeutschen Behörden die Strafverfolgung von Rechtsextremisten nach dem geheimen NATO-Zusatzprotokoll unterlassen sollen, ist in doppelter Hinsicht problematisch: Denn das Grundgesetz wird dadurch im Stillen gebrochen, ohne das eine Klage dagegen möglich ist. Aber da die Strafverfolgung im wesentlichen Ländersache ist, ist diese Vereinbarung auch nicht leicht durchzusetzen – es sei denn, die Bundesanwaltschaft zieht den Fall an sich, wie es im Fall von Heinz Lembke eben auch passierte oder in den Ländern ist der entsprechende politische Wille vorhanden.
    Fazit: Sofern die Information sich als richtig herausstellen sollte, daß Amoss für Wisner arbeitete, ist Leaderless Resistance ein Konzept, welches in Umfeld des Aufbaus von Gladio enstanden ist. Eben diese Information bezieht sich auf eine Schrift von Amoss »Ulius L. Amoss Papers 1941-1963«.  In einem Forum meint John Simkin dazu:

    Amoss was dedicated to a career in espionage. […] The papers include correspondence, manuscripts, speeches, espionage material, military material, and some printed matter. The manuscripts include material for an unwritten autobiography of Amoss, with the proposed title »Easier Said Than Done.« […] I have just been sent a document that is dated 10/9/99 and is stamped EYES ONLY and DO NOT COPY. It includes some very interesting information about Ulius Louis Amoss and Robert Emmett Johnson. This document points out that Amoss was a member of the OSS. While he was chief of station in Cairo, Egypt, he »recruited, trained and launched numerous teams of assassins that carried out hits on various targets all over North Africa, Southern Europe, Switzerland, Spain and Portugal.« General Donovan officially fired Amoss but in reality he was kept on the OSS payroll in an undercover capacity. After the war he worked for Frank Wisner at the CIA (OPA). That International Services of Information (INFORM) was a CIA »commercial cover« operation.

    Die Süddeutsche kam zu dem Schluß:

    Amoss, erzkonservativer Antikommunist, aber sicher kein rechtsextremer Umstürzler, starb 1961.

    und bezog sich dabei sicherlich auf PublicEye.org:

    Unlike Louis Beam, Amoss had no connection to organized White Supremacist groups and had no interest in overthrowing the United States government.

    Diese Schlußfolgerung sollte wohl noch einmal überdacht werden. Andererseits ist das Konzept, Terrorismus und Widerstand gegen eine staatliche Struktur in Zellen zu organisieren, alles andere als neu. In diesem Sinne erstaunt ein wenig der Rückgriff auf einen CIA-Ansatz. Geprüft werden muß hier anhand der Texte die genaue Ideengeschichte. Einerseits also, in welchen Punkten Beam auf Amoss zurückgriff; und anderseits, ob Beams Ansätze in das – sehr militärische – »Field Manual« von Combat 18 sowie in »Eine Bewegung in Waffen« einfloss. Sofern dies der Fall ist, sollte geklärt werden, wie und warum diese Konzepte in so kurzer Zeit Verbreitung fanden.
    Beispielweise wurde Louis Beam laut dem Buch »The emergence of a Euro-American radical right« von der British National Party in das Vereingte Königreich eingeladen. Neben Lois Beam wurde das Konzept auch von Tom Metzger und Alex Curtis aufgegriffen. Alle drei waren Knights of Ku-Klux-Klan und standen in Bezug zu Aryan Nation bzw. White Aryan Resistance.

  • und: Kleine Anfrage der Abgeordneten Annelie Buntenbach und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 14.03.1997 Drucksache 13/7229:

    Trotz dieser Verbindungen sah der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Peter Frisch, in »DER SPIEGEL« vom 3. März 1997 »keine konkreten Anhaltspunkte dafür, daß in Deutschland rechtsterroristische Strukturen bestehen.

    So wurde in der Ausgabe 2/96 der Szenezeitschrift »Blood and Honour, Division Deutschland« ausdrücklich zu »Leaderless Resistance aufgerufen. Demnach ist die Schlußfolgerung naheliegend, daß die Existenz von sog. »Einzeltätern« dieser strategischen Option entspricht. Dafür spricht auch die Einbindung und Ausbildung des Kai Diesner durch verschiedene Organisationen der Neonaziszene. Besonders besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang die aus der Weltanschauung begründete hohe Gewaltbereitschaft und der hohe Verbreitungsgrad von Waffen in der Neonaziszene.«

Nachtrag zum Ku Klux Klan

  • Durchaus interessant ist auch ein Beitrag zum Ku Klux Klan vom Informationsdienst gegen Rechtsextremismus:

    Die terroristischen Gruppen unterhalten schon lange Kontakte auch ins Ausland. So unternahm Manfred Roeder, Leiter der »Deutschen Bürgerinitiative«, bereits bereits im August und September 1976 auf Einladung des Ku-Klux-Klan eine Reise in die USA, um dort seine Kontakte zu Gleichgesinnten zu vertiefen. Das FBI informierte die deutschen Behörden auch über ein Treffen von amerikanischen und deutschen Neonazis aus dem Klan-Umfeld, das Anfang der 90er Jahre in der Nähe von Köln stattgefunden haben soll. Rechtsextreme Skinheads, insbesondere aus der Blood & Honour-Bewegung, berufen sich auf das rassistische Gedankengut des Ku Klux Klan. Der mehrfache Mörder Kay Diesner bekannte sich ebenfalls zum Ku Klux Klan.

    Carsten Szczepanski, der derzeit selbst seine achtjährige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg wegen versuchten Mordes an einem Nigerianer absitzt, ist der selbsternannte Führer der »White Knights of the Ku Klux Klan/Germany«. Szczepanski wird von der Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene« (HNG) als »politischer Gefangener« betreut. Der Führer der »White Knights of the Ku Klux Klan« in den Vereinigten Staaten ist Dennis Mahon, mit dem Szczepanski das spektakuläre Anzünden eines KKK-Kreuzes in der Nähe von Königs Wusterhausen veranstaltete. Szczepanski rief in dem Organ der Neonazi-Skins mit dem Namen »United Skins« auch zur Solidarität mit dem Polizistenmörder Kay Diesner auf.

  • Etwas genauer schildert das Untergrund-Blättle die Verhältnisse:

    Über die Organisierung der Konzerte mit britischen Bands entstanden weitere Kontakte, vor allem auch in die neuen Bundesländer. Am Rande eines Skrewdriver- und Noie Werte-Konzertes 1991 in Brandenburg fand ein Treffen zwischen Donaldson und Denis Mahon, einem früheren Leiter der White Knights of the Ku-Klux-Klan aus den USA statt, welches die Initialzündung zur Schaffung einer deutschen Klan-Sektion werden sollte. Die Naziskinhead-Bande um den Herausgeber des Heftes United Skins, Carsten Szczepanski (welcher im Jahre 2000 als V-Mann der Verfassungsschutzabteilung des Innenministeriums des Landes Brandenburg enttarnt wurde), zeigte reges Interesse an der Idee; die deutsche Klan-Sektion blieb jedoch eine mediale Inszenierung. Szczepanski indes arbeitete nun verstärkt mit GBF zusammen und produzierte 1993 gemeinsam mit Noie Werte eine Solidaritätsplatte für die unter staatlichen Druck geratene deutsche Nazimusik-Szene.  Als in der Folgezeit der Streit um den britischen Combat 18 auch nach Deutschland getragen wurde, war er eifrigster Fürsprecher der britischen Neonazi-Terrorgruppe. Obgleich 1995 wegen Anstiftung zum Mord an einem Angolaner zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt, gelingt es Szczepanski mit Hilfe seiner Kameraden bis zum heutigen Tag, United Skins weiterzuführen. Als Anschrift dient ihm die langjährige Postanschrift von C18 in London.

  • Neben Manfred Roeder (siehe auch Nachtrag zu diesem), Kay Diesner, Carsten Szczepanski, soll auch Matthias Fischer aus Franken Kontakte zum Ku Klux Klan durch die Gruppe Aryan Hope haben. Allerdings fehlt für diese immer wieder aufgestellte Behauptung eine belegende Quellenangabe.

    Entstanden ist AH in den USA im Umfeld des Ku-Klux-Klans. Jedenfalls besitzen einige der hiesigen Mitglieder gute Kontakte zu Neonazis in den USA, mit denen ein regelmäßiger Austausch stattfindet.

    Daneben meinte die Fürther Antifa Zeitschrift 2008, daß die Webseite der Anti-Antifa Nürnberg, an deren Aufbau Fischer beteiligt war, werde bei der NSDAP/AO durch Gary Lauck in den USA gehostet.

  • Neben Szczepanski und Fischer geht eine KKK-Verbindung ins Herz des NSU: Das Label Endzeitklänge von Michael Probst und Stephan Neumann von Blood & Honour Sachsen produzierte ein Album »Bound for Glory«, einer Band die den Hammerskins nahesteht und in den USA Verbindungen zu Tom Metzger und dem Ku Klux Klan hat, wie beispielsweise über die Organisation Aryan Nation.
  • Im Allgemeinen sieht der VS MV in seiner Broschüre zu Rechtsextremismus 2008 eine Beziehung zwischen dem KKK und Blood & Honour, die noch eingehender untersucht werden sollte. So war ja der KKK-Mann und Leaderless Resistance Beam zu Besuch auf der Insel.

    Mit diesem Bekenntnis lehnen sie sich vielfach auch dem in den USA aktiven Geheimbund „Ku-Klux-Klan“ (KKK) an, der die Arterhaltung der „reinen weißen Rasse“ propagiert. Abbildungen der weißen Kapuzenmänner finden sich auf Schallplattenhüllen der „Skrewdriver“-Band.

Nachtrag zu Carsten S.

  • DerWesten vermeldet:

    Wie aus einem Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz hervorgeht, zog einer der zeitweise wichtigsten Unterstützer des NSU, der Aktivist des „Thüringer Heimatschutzes“ Carsten S., im Jahr 2003 aus Ostdeutschland nach Hürth bei Köln und später nach Düsseldorf. […] Nach Angaben des Verfassungsschutzes war Carsten S. zusammen mit dem bereits im November inhaftierten Ralf Wohlleben zumindest in den Jahren 1999 und 2000 „maßgebliche Kontaktperson“ der untergetauchten NSU-Mitglieder. Zudem soll Carsten S. die Terroristen mit Geld versorgt und nach einem Unterschlupf gesucht haben. […] Zudem war er Chef der „Jungen Nationaldemokraten“, des Jugendverbands der NPD.

    Wer ist Carsten S.? Sie meinen wohl kaum den 2000 abgetauchten V-Mann »Piato« Carsten Szczepanski aus Königs-Wusterhausen? Denn Carsten S. wird vom Spiegel in einem Atemzug mit »Piato« genannt, welcher aber m.W. nicht Aktivist des THS und der JN war.

    Eine Woche später, am 13. März 1999, wird V-Mann Brandt von Carsten S., einem weiteren Aktivisten des Thüringer Heimatschutzes, angesprochen. Nicht mehr Wohlleben, sondern er selbst halte ab sofort den Kontakt zu Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe, soll ihm S. im Vertrauen erzählt haben.

    Die Personalie ist brisant: S. wird im folgenden Jahr Landesvorsitzender der »Jungen Nationaldemokraten« (JN), der Nachwuchsorganisation der NPD. Seine mutmaßliche Rolle ist ein weiteres Indiz für Verbindungen der NPD in das Unterstützerumfeld. Der JN-Funktionär steht im Verdacht, Geld nach Sachsen überwiesen zu haben.

    Während die Verfassungsschutzämter in Thüringen und Sachsen nach dem Trio suchen, erreicht die Kollegen in Brandenburg im September 1998 eine alarmierende Nachricht. Ein brandenburgischer Neonazi, den der Verfassungsschutz als V-Mann »Piato« führt, hat zu Protokoll gegeben, der Chemnitzer Neonazi Jan W. wolle dem Trio Waffen für Überfälle beschaffen. Und Antje P., eine Bekannte von W., habe sich bereit erklärt, ihren Pass für Beate Zschäpe zur Verfügung zu stellen.

    Dennoch scheint – etwas verwirrend – ein anderer Carsten S. gemeint zu sein, der ab 2000 Landesvorsitzender der JN in Thüringen gewesen sein soll – neben dem Stellvertreter Patrick Wieschke aus Eisenach, der verdächtigt wurde, nach dem 4.11.2011 Zschäpe Unterschlupf gewährt zu haben. Vielmehr scheint den Journalisten von DerWesten und Der Spiegel oder dem Thüringer Verfassungsschutz ein Fehler unterlaufen sein. Denn der Thüringer Verfassungsschutzbericht von 2000 (Seite 27) vermeldet:

    Am 22. Juli [2000] gründeten etwas 40 Mitglieder der Jungen Nationaldemokraten den Thüringer Landesverband. Sie wählten in einer geschlossenen Veranstaltung Sandro Tauber zum ersten Landesvorsitzenden und Patrick Wieschke zu seinem Stellvertreter.

  • Der Widerspruch löst sich (s.u.) auf, da der Name Schultzes aus dem VS-Bericht wegzensiert wurde.
  • So, es gibt etwas mehr Klarheit zu Carsten Schultze, es handelt sich also um eine andere Person. Die Antifa Düsseldorf schreibt:

    Carsten Schultze hat eigenen Angaben zufolge der Neonazi-Szene Ende 2000 den Rücken gekehrt. Er nahm im Herbst 2003 ein Studium in Düsseldorf auf und engagierte sich im sozialen Bereich.

    Die Ruhrbarone zitieren dazu das Düsseldorfer Stadtmagazin terz:

    Ein weiterer lokaler Fall ist der aus Jena nach Düsseldorf zugezogene FH-Student der Sozial- und Kulturwissenschaften Carsten Schultze. Bis ungefähr Ende 2000 war dieser einer der führenden Aktivisten und Funktionäre der Neonazi-Szene in Thüringen, insbesondere im Raum Jena. Er brachte es bis zum NPD-Kreisvorsitzenden, stellvertretenden JN-Landesvorsitzenden, “Landesbeauftragten der JN-Bundesführung”, sogar kurzzeitig in den JN-Bundesvorstand. Er dürfte zu den wichtigsten Organisatoren und Koordinatoren der damaligen Thüringer Neonazi-Szene gehört haben, war auch für Schulungen des Nachwuchses und als “Versammlungsleiter” für Aufmärsche zuständig.
    Heute ist Schultze nach Angaben des Antifa-Arbeitskreises an der FH Düsseldorf im gemeinsamen Schwulenreferat an der FH Düsseldorf und Heinrich-Heine-Universität aktiv, wurde sogar kürzlich auf der Schwulen-Vollversammlung zum Schwulen-Referenten (FH) gewählt.

    Und wieder DerWesten Rechercheblog:

    Die Terroristen schätzten zunächst die Untergrundarbeit von Carsten S. Er galt als „gut und korrekt“. Er war laut Verfassungsschutz zum damaligen Zeitpunkt Thüringens Landesvorsitzender der „Jungen Nationaldemokraten“ – der Jugendorganisation der NPD. Der Verfassungsschutz notierte, Carsten S. habe mindestens einmal – im April 1999 – Spendengelder für das Terrortrio nach Sachsen transferiert. Weiter soll Carsten S. dabei geholfen haben, einen sicheren Unterschlupf für die Terroristen zu suchen.

    So sei er in die Gespräche mit dem bundesweit bekannten Neonazi und ehemaligen Funktionär der NPD, Thorsten H., involviert gewesen, der bei der Suche nach einem sicheren Quartier im Ausland helfen sollte. Im September 1999 berichtete Carsten S. allerdings, die Gespräche mit Thorsten H. würden nicht zu einem greifbaren Ergebnis führen und zögen sich hin.

    Am 21. September 1999 erkundigte sich S. zudem nach Kontakten zum früheren Rechtsterroristen Manfred R. Dieser sollte mit seinen Auslandsverbindungen einspringen, da die Abgetauchten „unbedingt“ ein neues Versteck benötigten.

    Auch zum heute als NSU-Helfer inhaftierten Holger G. hatte Carsten S. Kontakte. […]

    Carsten S. soll allerdings der Ausstieg gelungen sein, schreibt der Verfassungsschutz. Im Jahr 2000 kam es angeblich zu einem Zerwürfnis, weil der Rechtsextremist Wohlleben kritisierte, Carsten S. habe mit wenigstens einem Außenstehenden über die Kontakte zu den untergetauchten Terroristen gesprochen. Trotz allem hielt Carsten S. bis mindestens Ende April 2000 Kontakt zu den Abgetauchten. Im zweiten Halbjahr 2000 kündigt er dann aber an, sich nicht mehr an politischen Aktionen beteiligen zu wollen. Er verschwand in den Westen.

    Zu diesen Kontakten siehe den Nachtrag unten.

  • So ganz klar wird die Rolle von Carsten Schultze in Thüringen nicht. Bis Ende 2000 ist er »maßgebliche Kontaktperson« der NSU, und zieht drei Jahre später zunächst nach Köln-Hürth und im gleichen Jahr nach Düsseldorf. Wir notieren also, Kontakpersonen der NSU in dem Zeitraum nach dem Abtauchen sind Ralf Wohlleben, Jan Botho Werner und Carsten Schultze. Für eine Verbindung von Schultze zur NSU in Westdeutschland sind jedoch keine Indizien bekannt. Nochmal DerWesten:

    Im Gespräch mit der WAZ hatten Verfassungsschützer gesagt, für die Vorbereitung der Anschläge in NRW hätten die Terroristen Unterstützer gebraucht, denen sie aus einer gemeinsamen Zeit im ostdeutschen Untergrund vertrauen konnten. Es würde nach einer solchen personellen Verbindung gesucht.

    Eine kleine Recherche zum Thema findet sich auch beim Antifa Portal Düsseldorf.

  • Carsten Schultze wurde festgenommen. Folgende Meldung läuft über die Ticker:

    Carsten S. ist in Düsseldorf durch Beamte der GSG 9 festgenommen worden. […] Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, Beihilfe zu sechs vollendeten Morden und einem versuchten Mord der terroristischen Vereinigung »Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)« geleistet zu haben. Er soll gemeinsam mit einem weiteren mutmaßlichen Unterstützer eine Schusswaffe und Munition für die Zelle besorgt haben. Nach Informationen der Bundesanwaltschaft war der Beschuldigte in den Jahren 1999 und 2000 im rechtsextremistischen »Thüringer Heimatschutz« aktiv.

    Das ist etwas wirr: Wenn die »Beihilfe zum Mord« aus der Beschaffung einer Schusswaffe besteht, läuft die BAW auf dünnem Eis. Oder gibt es einen umfassenderen Vorwurf? Das geht aus der PM der BAW nicht hervor:

    Nach den bisherigen Erkenntnissen war der Beschuldigte in den Jahren 1999 und 2000 im rechtsextremistischen „Thüringer Heimatschutz“ aktiv. Bis 2003 unterhielt er Kontakte in rechtsradikale Kreise. […] Zeitweilig soll er der Einzige aus dem rechtsextremistischen Umfeld des „NSU“ gewesen sein, der unmittelbaren Kontakt zur sogenannten Zwickauer Zelle hatte. Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, gemeinsam mit dem gesondert verfolgten Ralf W. (vgl. Pressemitteilung Nr. 41 vom 29. November 2011) dem „NSU“ 2001 oder 2002 eine Schusswaffe nebst Munition verschafft zu haben. Er soll Waffe und Munition in Jena gekauft und anschließend an Ralf W. weitergegeben haben, der einen Kurier mit dem Transport zu den „NSU“-Mitgliedern nach Zwickau betraut haben soll. Angesichts seiner engen persönlichen und ideologischen Verbindung zu den „NSU“-Mitgliedern soll der Beschuldigte billigend in Kauf genommen haben, dass die Schusswaffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden könnte.

    Wer war der Kurier? Möglicherweise Jürgen H. ein enger Freund Ralf Wohllebens, der seine Kuriertätigkeit bereits dem MAD gestanden hatte.

  • Die taz widmet sich der Geschichte des Carsten S.: Demnach sei Schultze wohl schon 2000 in ein Aussteigerprogramm eingestiegen. Doch dies widerspricht dem Vorwurf der BAW, Schultze habe noch »2001 oder 2002« eine Waffe besorgt. Was war dies für ein Programm?
  • DerWesten wundert sich, und vertieft daduch den Widerpruch zwischen Ausstieg, VS und Waffenbeschaffung.

    Über eine Zeit lang stand er im Visier des Thüringer Verfassungsschutzes. Im Verfassungsschutzbericht 2000 wurde sein Name aber gestrichen, angeblich weil ein V-Mann weitergegeben habe, dass Carsten S. seine Kaderfunktionen bei der NPD und den Jungen Nationaldemokraten plötzlich aufgegeben habe.

    Der Linksparteiabgeordnete Frank Laubenburg hat den Unterschied herausgearbeitet. Demnach stand im monatlichen »Nachrichtendienst« des Thüringer VS im Juli 2000:

    In Eisenach gründete sich am 22. Juli der Landesverband der Jungen Nationaldemokraten (JN) Thüringens. Dies teilte Patrick Wieschke, Pressesprecher der neugewählten Organisation, über Internet mit. Etwa 40 Personen  wählten danach den 35-jährigen Sandro Tauber zu ihrem Vorsitzenden und Carsten Schultze und Patrick Wieschke zu Stellvertretern.

    Im Jahresbericht des Thüringer VS stand dann aber:

    Am 22. Juli gründeten etwa 40 Mitglieder de Jungen Nationaldemokraten den Thüringer Landesverband in Eisenach. Sie wählten in der geschlossenen Veranstaltung Sandro Tauber zum ersten Landesvorsitzenden und Patrick Wieschke zu seinem Stellvertreter.

    Also war das frühere Erstaunen von meiner Seite (s.o.) völlig richtig. Die Begründung, daß der Name gestrichen wurde, weil Carsten S. seine Funktion »plötzlich aufgegeben habe«, macht keinen Sinn: Denn er wurde ja dennoch gewählt, insofern ist der Jahrebericht inhaltlich unrichtig. Die Schlussfolgerung kann also sein, daß er in einem Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes war. Das Aussteigerprogramm des BfV startete jedoch erst am 17. April 2001. Wenn Schultze in diesem Programm war, macht aber der kurzzeitige Umzug nach Köln im August 2003 und später im Dezember 2003 nach Düsseldorf Sinn, da ja in Köln das Bundesamt sitzt. Der kurze Aufenhalt in Köln wäre also Teil davon gewesen:

    • intensive Beratungsgespräche mit geschulten Mitarbeitern
    • Unterstützung bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche (ggf. Umzugshilfe)
    • Psychologische Betreuung
    • Unterstützung bei Qualifizierungsmaßnahmen

    Dennoch stellt sich die Frage, welches Verhältnis der Thüringer Verfassungsschutz zu Schultze hatte. Er wird nicht ohne Grund den Namen aus dem Jahresbericht gestrichen haben. Ungeklärt ist also der Zeitraum zwischen 2000 und 2003.

Nachtrag IX

  • Die Frage nach der Rolle des Staates bei der NSU erhält eine neue Dimension. Denn nach Informationen der BILD-Zeitung, wies eine Mitarbeiterin des BKA einen Forensiker der Bundespolizei an, die Mobilfunk-Daten der Handys von André Eminger in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu löschen: Dies geschah bereits im Dezember mit dem Wortlaut:

    Ich habe die Daten auf unserer Seite gesichert du kannst die bitte löschen.

    Die Journalisten bei der BILD und der Berliner Zeitung bewerten die als einen illegalen Akt:

    Ein nicht nur ungewöhnlicher, sondern auch rechtswidriger Vorgang, der einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Dienstpflicht darstellt.

    aus dem Grund:

    Was auf den ersten Blick wie Routine wirkt, ist in Wahrheit ein beispielloser Vorgang: […] Denn die Bundespolizei muss sämtliche Ermittlungsergebnisse mindestens bis zum Abschluss des jeweiligen Gerichtsverfahrens aufbewahren, weil die Beamten wichtige Zeugen werden könnten. Dann müssen sie genau belegen, woher die von ihnen beschafften Daten stammen.

    Auch der Sächsiche Verfassungsschutz kaut Berliner Zeitung hat offenbar die Akte von Eminger ausgedünnt, so daß der Schluß naheliegt, daß Eminger ein V-Mann war.:

    In seinem Antwortschreiben an das BKA, das der Berliner Zeitung vorliegt, teilte Sachsens LfV-Präsident Reinhard Boos vor drei Monaten jedoch mit, dass E. im Informationssystem seines Amtes lediglich als Teilnehmer eines rechtsextremen Konzertes im Mai 2011 in Mecklenburg auftauche. Mehr Angaben zu ihm habe man nicht. Tatsächlich aber dürfte eine weitaus dickere Akte über E. existieren, da er dem Landesamt seit der Jahrtausendwende als eine wichtige Figur in der Neonazi-Szene des Freistaats bekannt war und überwacht wurde.

    Eminger ist eine zentrale Figur der Weißen Brunderschaft Erzgebirge, welche zum NSU zählt: Er hat das Bekennervideo produziert, Wohnungen und Reisen organisiert.
    Sofern André Eminger V-Mann des VS oder anderen Behörden war, ist die Mitwisserschaft der Behörden kaum abzustreiten. Der BKA-Chef Jörg Ziercke behauptet, seine Behörde »Beweismittel weder unterdrückt, noch manipuliert, noch vernichtet«, da es sich um einen normalen Vorgang handele. Warum sollten aber Beamte aus einer der Behörden die Löschung an die Presse durchsickern lassen, wenn er ganz gewöhnlichen Vorgang handelt? Und wenn es ich um einen solchen handelt, bedarf es nicht der besonderen Anweisung zur Löschung. Die Frage ist, ob die Löschung nach der Darstellung der Bild-Zeitung tatsächlich Einfluß auf die Beweismittel hatte. Hier bleibt Erklärungsbedarf. Falls die Darstellung jedoch richtig ist, hat Ziercke die Unwahrheit gesagt. Daß die Juristen im Bundesinnenminister dies ähnlich sehen, darauf deutet, daß das Ministerium als übergeordnete Kontrollinstanz eine »umfassende Erklärung durch die Amtsleitung des BKA angefordert« haben. Auffallend ist zudem, daß Eminger bislang nicht wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt wurde, obwohl er das Bekennervideo produzierte.

  • Eine kleine Recherche zu Andre Eminger findet sich auch in der Süddeutschen.
  • Als unglaubwürdige Schutzbehauptung entlarvt Jacob Jung die Stellungnahme des BKA – insbesondere die Tatsache, daß die Auswertung der Telefondaten nicht in der Ermittlungsakte auftaucht.

    Die Tatsache, dass die Bundespolizei durch das BKA, entgegen von Gepflogenheiten und Dienstvorschriften, dazu aufgefordert wird, Daten aus dem laufenden Ermittlungsverfahren gegen die Zwickauer Terror-Zelle zu löschen, lässt sich nicht alleine mit der Beteuerung rechtfertigen, man habe Ermittlungsdaten zentral an einem Ort zusammenfassen wollen. Diese Zusammenfassung besteht ja ohne Zweifel bereits in dem Moment, in dem die Bundespolizei die betreffenden Daten an das BKA übermittelt und hat nichts mit der Anweisung zur Löschung zu tun.

    Auch die fadenscheinige Begründung, man habe bei „diesem sensiblen Verfahren“ eine „Dislozierung“ (Ortsveränderung) der Asservate vermeiden wollen, wirkt konstruiert. Schließlich handelt es sich bei der Bundespolizei nicht um irgendeine Behörde, der man seitens des BKA nicht zutrauen würde, diskret und vertrauenswürdig mit Ermittlungsergebnissen umzugehen.

    Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass die Ergebnisse der Untersuchung des Handys bisher nicht in der betreffenden Ermittlungsakte festgehalten wurden. Die Begründung, dass bisher noch keine Auswertung der Daten erfolgt ist, erscheint unglaubwürdig. Schließlich hat die Bundespolizei die entsprechenden Informationen bereits Anfang Dezember 2011 an das BKA übermittelt.

  • Der Sächsische VS dementiert vehement:

    Das LfV Sachsen kann und will keinen Informanten schützen“, teilte das Amt wörtlich mit. Wie man bereits mehrfach versichert habe, sei keine der im Ermittlungsverfahren beschuldigten Personen - auch Andre E. - V-Mann oder Informant des Landesamtes in Sachsen gewesen. Die erste Anfrage des BKA vom 15. November 2011 habe man „ausdrücklich vorläufig“ noch mit Schreiben vom selben Tag beantwortet. „In dieser kurzfristigen Antwort konnten nur die Erkenntnisse übermittelt werden, die in den Dateien des LfV Sachsen erschlossen waren“, hieß es. Mit einem Schreiben vom 29. November habe das Landesamt dann nach einer Aktenrecherche alle Informationen zu André E. an das BKA übermittelt.

  • Bezeichnerderweise will nach ZDF Frontal21 die sächsische Regierung die Einsetzung einer Parlamentarischen Untersuchungsausschuss verhindern. Danach weist die BAW die Thüringer Landesregierung zum Schweigen an – ohne rechtliche Grundlage. Die Sendung erkennt ein Schweigekartell zwischen Länderregierungen und den Generalbundesanwalt.
  • Zum BKA ist das Buch »Die braune Vergangenheit des BKA« in diesem Kontext interessant.
  • Der Focus hat bereits Ende Januar die Flucht Zschäpes zusammengefasst:

    Wir fragen daher die Bundesregierung:
    1. Welche Erkenntnisse hatte und hat der MAD über die Gruppierung NSU?

    Demnach führte ihre Odyssee sie am 5.11. nach Chemnitz (wo sie die Eltern von Böhnhardt und Mundlos anrief) und Leipzig (wo sie einen Teil der Videos einwarf), und Eisenach (und dort zum Tatort im Ortsteil Stregda), und Bremen, am 6.11. zurück nach Eisenach und Weimar, am 7.11. nach Halle, am 8.11. nach Dresden und nach Jena. Dort wollte sie sich zunächst telefonisch der Polizei stellen, die sie nicht erkannte, und kam später mit einem Anwalt zu einer Polizeiwache.
    Ungeklärt bleibt jedoch, wen sie auf ihrer Reise besuchte – insbesondere Bremen fällt aus dem Raster.

  • Die Grünen haben am 7.2 eine Kleine Parlamentarische Anfrage gestartet (Drucksache 17/8559):

    Wir fragen daher die Bundesregierung:
    1. Welche Erkenntnisse hatte und hat der MAD über die Gruppierung NSU?
    2. Wie viel Sprengstoff wurde aus den Beständen der Bundeswehr seit 1990 widerrechtlich entwendet, und welche Informationen hat das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) über den jeweiligen Hintergrund der Entwendung sowie den Verbleib des Sprengstoffes (bitte nach Jahr, Menge und Art des entwendeten Sprengstoffes aufschlüsseln)?

    Die Seite Soldatenglück meint dazu:

    Wer Wir. Dienen. Deutschland propagiert und damit Nachwuchs wirbt, muss sich auch der Anziehungskraft auf unerwünschte Personen mit schädlichen Neigungen bewusst sein.

  • Sehr unterschiedlich fallen die Reaktionen in der rechten Szene aus, wie dpa und Lotta berichten. Während die NPD – auch im Zuge des anstehenden Verbotsverfahrens – auf Distanz geht, solidarisiert sich die Kameradschaftszene teils offen mit der Mordserie. Grundsätzliche Kritik ist selten zu hören. Neben Unterstützung und Ablehnung bietet die Schuldzuweisung an die Behörden einen bequemen Ausweg aus dem Dilemma, gleichwohl eine Verstrickung nichts an der Unterstützung der NSU durch rechte Gruppierungen ändert. Die teils offene Zustimmung bei den Kameradschaften darf jedoch durchaus als Indiz für deren Hilfestellung gelten, da viele solchen Morden grundsätzlich zustimmen.
  • Einmal mehr wird die unglaubliche Pannenserie bei der Verfolgung des Jenaer Trios deutlich. Nach Recherchen von Panorama scheiterte die Verfolgung bereits Monate vor dem Abtauchen. Bereits im Herbst 1997 führte demnach die Spur von der Bombenatrappen zu dem Trio. Doch erst im Dezember wurde die Alibis überprüft. Zschäpe hatte keines, Mundlos wurde nicht angetroffen. Böhnhardt entschwand mit dem Auto und »beschleunigte sein Fahrzeug so, daß eine Verfolgung im Rahmen der STVO nicht möglich war«. Trotz seiner ausstehenden Haftstrafe führte dies offenbar nicht zu einer umgehenden Fahndung.  Die Thüringer Allgemeine widmet sich den weitgehend bereits bekannten Fahndungspannen in den darauffolgenen Monaten.

Nachtrag zu Carsten Schultze, Thorsten Heise, Manfred Roeder etc

  • Und wieder DerWesten Rechercheblog:

    So sei er in die Gespräche mit dem bundesweit bekannten Neonazi und ehemaligen Funktionär der NPD, Thorsten H., involviert gewesen, der bei der Suche nach einem sicheren Quartier im Ausland helfen sollte. Im September 1999 berichtete Carsten S. allerdings, die Gespräche mit Thorsten H. würden nicht zu einem greifbaren Ergebnis führen und zögen sich hin.

    Am 21. September 1999 erkundigte sich S. zudem nach Kontakten zum früheren Rechtsterroristen Manfred R. Dieser sollte mit seinen Auslandsverbindungen einspringen, da die Abgetauchten „unbedingt“ ein neues Versteck benötigten.

    Auch zum heute als NSU-Helfer inhaftierten Holger G. hatte Carsten S. Kontakte. […]

    Auch gab es laut DerWesten Gespräche mit dem früheren FAP-Kader Thorsten Heise: Er muß jedoch dadurch von der Gruppe gewusst haben. Zu Heise schreibt die Publikative, indem sie sich auf den NDR stützt:

    Nach Angaben des NDR hatte der NSU-Unterstützer Holger G. des Öfteren Kontakt zu Heise vor dessen Umzug nach Thüringen und auch bei Heises Hochzeitsfeier zählte G. zu den ausgewählten Gästen.

    Darüber hinaus soll Tino Brandt am 6.3.1999 das Anwesen von Heise als Fluchtort für die NSU genannt haben:

    Demnach sollte der später als V-Mann enttarnte Tino Brandt 1999 bei der Suche nach einem Unterschlupf für das flüchtige NSU-Trio helfen. Dabei habe Brandt Uwe Böhnhardt „das Anwesen von Thorsten Heise genannt (damals wohnhaft in Northeim in Niedersachsen)“. Anschließend sollte offenbar der ebenfalls als NSU-Unterstützer verhaftete Ralf Wohlleben das Angebot prüfen und mit Heise vor Ort besprechen.

    Wir halten also fest: Holger Gerlach, Thorsten Heise und Carsten Schultze hatten jeweils Kontakt zueinander. Somit hatte Heise direkten Kontakt zu gleich zwei NSU-Untersützern. Zugleich bemühten Patrick Wieschke und Carsten Schultze als Stellvertreter der JN sich um Kontakte zum früheren Rechtsterroristen Manfred Roeder. Doch auch Roeder und Heise waren nach dem Buch »Strategien der extremen Rechten« in dem Abschnitt »Die Internationale des Nationalismus« engstens vertraut:

    Gegründet wurde die „Deutsch-Russische Friedensbewegung Europäischen Geistes“ im August 2006. Am 31. März 2007 fand erstmals eine Veranstaltung des Vereins im thüringischen Hildburghausen, Ortsteil Pfersdorf, unter Beteiligung von Szene-Größen wie Thorsten Heise, Manfred Roeder, Jürgen Rieger und Frank Rennicke statt. Die „Freien Kräfte Südthüringen“ bezeichneten die Veranstaltung als „Beginn für eine ernste und friedliche Verständigung der Brudervölker Deutschland und Russland«. […] Intensive Kontakte nach Russland unterhält der einstige Rechtsterrorist Roeder. Der Kopf der sektiererischen »Deutschen Bürgerinitiative« (DBI) veranstaltet alljährlich Sonnwendfeiern auf seinem Anwesen im hessischen Schwarzenborn/Knüll. Für die Gestaltung der Feier im Juni 2008 war NPD-Kamerad Heise zuständig.

    Über die o.g. Verbindungen hinaus stand der V-Mann Tino Brandt in enger Beziehung zu Claus Nordbruch in Südafrika und zu Thorsten Heise – zu beiden hatte aber auch Roeder enge Beziehungen. Wie steht also das Verhältnis zwischen Brandt und Roeder? Eine Antifagruppe schreibt zu einer Kundgebung in Eisenacher Stadtteil Nord im Juni 2000 – im gleichen Monat wurde dort das NSAW gegrüdet:

    Bei der Nazikundgebung hatte neben Tino Brandt, Pressesprecher der NPD Thüringen, auch Manfred Röder gesprochen.

    Die Broschüre »Im Westen nichts Neues: Rechtsextremistische Strukturen in Westthüringen« beschreibt das symbiotische Verhältnis zwischen dem Nationalen und Sozialen Aktionsbündnis Westthüringen (NSAW), dem Thüringer Heimatschutz (THS) und den Jungen Nationalisten (JN) der NPD. Bei einer Veranstaltung des NSAW am 9.1.2001 in Thüringen war Manfred Roeder Gastredner. Darüber hinaus ließ Patrick Wischke 2000 Broschüren in Eisenach mit einem Text Roeders verteilen. Roeder war also engstens eingebunden die Thüringer Strukturen.

  • Wir halten fest: Im Frühjahr 1999 schlug V-Mann Tino Brandt Thorsten Heises Anwesen vor die Verhandlungen zwischen Heise und Wohlleben führten nicht zum Erfolg, woraufhin Heise oder Brandt Manfred Roeder ins Spiel brachten. Roeder und Brandt stellten dann den Kontakt zu Nordbruch her.
  • Zur weiteren Rolle Roeders mehr bei dem Nachtrag zu diesem.

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