Presseschau Beitrag

Der Untergang ist nah!

Vernunft und Unvernunft der Endzeitphantasie
Der Untergang ist nah!
Bild von Madman2001

Langsam hat es sich herumgesprochen: Nicht am 30. Mai ist Weltuntergang – und auch das Jahr ist nicht mehr unbekannt: Sondern am 21. Dezember 2012 wird die Welt entgültig untergehen. Dieses Gerücht geht in diesem allerletzten Jahr um. Wie die merkwürdige These in die Welt kam und wie die moderne Mediengesellschaft den Kalender der Maya in ihrem Sinne interpretiert, darüber klärt der Maya-Forscher Nikolai Grube im Interview mit dem Freitag auf. Denn die moderne Auffassung alter Kulturen erscheint dem Forscher befremdlich, doch er erkennt deren Wert an ganz anderer Stelle:

Ich glaube nicht, dass wir ­direkt etwas von alten Kulturen lernen können. Wir haben immer das Gefühl, wenn man Archäologie ­betreibt, dann muss das ­einen Nutzen haben, der sich sofort in Heller und Pfennig abzeichnet in unserer kapitalistischen Welt. Man kann vielleicht sagen, die Maya und viele andere Zivilisationen auf dem ­amerikanischen Kontinent lehren uns, dass es eben auch außerhalb von Europa bedeutende Kulturent­wicklungen gegeben hat. Und dass wir vielleicht etwas bescheidener sein sollten und die globale Vergangenheit verstehen müssen, die unterschiedlichen Traditionen, aus denen sich unsere moderne Welt zusammensetzt.

Eine gewisse Freude an der Angstlust unserer modernen Gesellschaft sieht dagegen Carsten Jasner. Die »Faszination an der Apokalypse« konterkariert unsere moderne und für alles versicherte Gesellschaft:

Doch ausgerechnet in den Sicherheitssystemen liegt heute die Bedrohung. Der Versuch, immer mehr Unwägbarkeiten des Alltags auszuschalten, hat zu unüberschaubaren Mega-Risiken mit Katastrophenpotenzial geführt.

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