Presseschau Beitrag

Riskantes Spiel

Zwei Atomkraftwerke in den USA sind von einer Missouri-Flut bedroht.
Fort Calhoun am Missouri
Fort Calhoun am Missouri Bild von Corp of Engineers

Die Kernschmelze in den Kellern der Reaktoren in Fukushima dauert noch an, indes die USA an einer nuklearen Katatstrophe bislang vorbeigeschrammt sind. Der Reaktor Fort Calhoun im amerikanischen Bundesstaat Nebraska ist seit mehreren Wochen von einer Flut des Missouri bedroht. Dabei ist die Situation bislang nur aus zwei Gründen so glücklich verlaufen: Erstens ist das Atomkraftwerk seit April aufgrund von Wartungsarbeiten heruntergefahren, so daß die Restwärme gering ist. Zweitens wurde im vergangenen Jahr aufgrund einer Warnung vor einer möglichen Flut eine neue Wasserdämmung installiert. Ohne diese würde das Kraftwerk bereits teilweise unter Wasser stehen. Neben Fort Calhoun ist etwa hundert Kilometer flußabwärts ein weiterer Meiler bedroht. Der Wasserstand scheint sich laut Vorhersagen nun auf hohem Niveau zu stabilisieren.

Somit kann die Region im Zentrum der USA darauf hoffen, noch einmal davonzukommen: Fort Calhoun liegt in unmittelbarer Nähe zur Millionenstadt Omaha. Allerdings haben die Beschwichtigungen der Behörden aufgrund der glücklichen Umstände einen unangenehmen Beigeschmack. Ebenso kann nicht ausgeschlossen werden, daß der Wasserstand durch die nachdrängenden Wassermassen noch erheblich steigt. Betrachtet man das Bildmaterial, ist offensichtlich, daß kaum weiterer Spielraum vorhanden ist. Insofern können auch schlimmere Szenarien nicht ausgeschlossen werden, denn einige hundert Kilometer flußaufwärts werden immer noch Höchststände der Pegel gemeldet.  Ebenso ist nicht belegt, daß kein Wasser durch Schachtanlagen in das Innere der beiden Reaktoren vordringen kann. Umweltschützer befürchten ein Austreten verstrahlten Materials durch das Flußwasser.

Vor diesem Hintergrund hat die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) ein Gutachten über den Zustand der amerikansichen Atomkraftwerke veröffentlicht. Darin wird dargestellt, daß die Reaktorsicherheit in den USA nicht ausreichend ist. Viele Meiler leiden an mangelnder Wartung und Korrosion der Leitungen. An 48 von 65 Standorten würde radioaktives Tritium austreten. Ein ernster nuklearer Unfall in den USA erscheint somit vorprogrammiert.

Kommentare

Los Alamos

Mittlerweile hat die Süddeutsche Zeitung (s.o. i.d. Linksammlung) einen lesenswerten Beitrag zu Fort Calhoun veröffentlicht; zugleich berichten viele Medien (Die Welt, Frankfurter Rundschau) über Waldbrände in unmittelbarer Nähe zur nuklearen Forschungsanlage Los Alamos in New Mexiko: Offenbar sind hier Fässer mit nuklearen Abfall bedroht.

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