Die digitale Revolution hat unzählige Informationsangebote aus dem Hut gezaubert – jeder kann nun Publizist sein. Neben privaten Tagebüchern ist dem klassichen Jounalismus auch eine Konkurrenz erwachsen. Brigitte Baetz hat sich die bekannteren Projekte angeschaut und deren Macher interviewt: Sie interessiert die Auswirkungen auf die Medien, denn die Methoden der Recherche haben sich längst verändert, und bei den Blogs stellt sich die Frage, ob sie sich an den Qualitätkriterien des Journalismus messen lassen sollen.
Eine Allianz, die zeigt, dass Blogs längst Teil des Mediensystems sind, nicht unbedingt schlechter, aber auf jeden Fall auch nicht besser als das, was klassischer Journalismus zu leisten vermag. Im Gegenteil - je mehr Menschen sich über das Internet informierten, desto wichtiger würden die Tugenden des herkömmlichen Journalismus: ausreichende Recherche, Überprüfung der Quellen, Unabhängigkeit.
»Hype-Zyklus«: x-Achse: Sau, y-Achse: DorfFoto von marketingfacts
Die Kurve steigt steil nach oben, verbleibt dort kurz auf der Spitze, um wieder steil nach unten zu fallen; anders als bei einer Achterbahnfahrt sind beim Hype die Passagiere auf dem Weg nach oben verzückt – wer spricht heute noch von Second Life? Den Rummel der Marktschreier nennt die Wissenschaft Hype-Zyklus. In den Medien, die gerne beim Aufbauschen technischer Entwicklungen hilfreich zur Seite stehen, finden sich allmählich auch kritische Stimmen, wie in einem amüsanten Beitrag von Marcus Rohwetter in der Zeit:
In den vergangenen fünf Jahren spuckte der Konzern aus der kalifornischen Kleinstadt Cupertino mindestens 17 neue Produkte aus, die er selbst als revolutionary einstufte. Eine derart beeindruckende Revolutionsquote erreichen nicht einmal sämtliche mittelamerikanischen Bananen- und die Ex-Sowjetrepubliken zusammen.
Bereits in der Schule wird vermittelt, daß Abschreiben verwerflich sei. Die Diskussion um Original und Plagiat in der Literatur wird derweil heftig geführt, ein Schriftstellerverband meldete sich zu Wort. Die Diskussion um Verwertungsrechte im Netzzeitalter ist im vollen Gange. David Pachali verweist in der taz auf die kulturellen Hintergründe des Urheberrechts.
»Geistiges Eigentum« ist nicht dasselbe wie Urheberrecht, sondern meint eine bestimmte, naturrechtlich-metaphysische Begründung dafür - statt etwa der angelsächsischen Variante, die mit einem Schaffensanreiz argumentiert, um die Kultur voranzubringen. Weiterlesen …
Die dpa ist in der jüngeren Vergangenheit immer wieder auf Falschmeldungen hereingefallen, sodaß die größte deutsche Nachrichtenagentur nun selbst eine Meldung wert war. Geschickt haben Künstler und Medienhacker mit falschen Pressemeldungen und Webseiten der Agentur Nachrichten untergeschoben, die von den Redakteuren nicht ausreichend geprüft wurden. Der neue Chef der dpa hat darauf mit einem internen Leitfaden zur Recherche reagiert. Stefan Niggemeier gab Auszüge dieses auch für Journalisten lehrreichen Schriftstücks wieder und kommentiert das Verhalten der dpa.
Seitdem Nachrichten kostenlos online verfügbar sind, straucheln die Zeitungshäuser in immer tiefere Finanzierungslöcher, an deren Ende oftmals die Schließung steht. Vor allem in den Vereinigten Staaten hat die Wirtschaftskrise diesen Trend noch beschleunigt. Das macht guten Journalismus unmöglich, u.a. weil die dafür nötige gründliche Recherche kostspielig ist. Es sind also neue Geschäftsmodelle nötig, um kritischen Journalismus zu bewahren. Weiterlesen …
Die Echtheit von Nachrichten läßt sich nicht immer überprüfen – und im Internet kursieren ungeprüfte Kopien von Bildern, Falschmeldungen oder Manipulationen noch schneller. Der niederländische Designer Daniel van der Velden hat ein Buch dazu veröffentlicht; Tobias Moorstedt interviewt ihn in der Süddeutschen Zeitung zu selbsternannten Staaten wie der Seeplattform Sealand mit eigenem Siegel und Briefmarken sowie Firmen, die es nur im Netz gibt. Eine Geschichte der massenhaft reproduzierten Falschmeldung ist auch die von Neda Soltani; aufgrund ihrer Ähnlickeit von Namen und Gesicht wurde sie für »die« Neda gehalten, welche durch ihren Tod bei den Protesten im Iran zur Ikone wurde.
Mit Kulturama ist neben maiak und dem Eurasischen Magazin ein schönes Portal für Osteuropa entstanden. Betrieben wird die Webseite mit dem Schwerpunkt Kultur von n-ost, einem Netzwerk, das auch für den Auftritt von Eurotopics die Inhalte produziert. Verschiedene Korrespondenten berichten über die Blogosphäre in Rußland und Weißrußland. Während in Rußland eine alternative Öffentlichkeit zu den vom Kreml dominierten Medien enstanden ist, haben die Blogger in Weißrußland mit einem repressiveren Regime zu kämpfen. In einem Videointerview kommt der russische Blogger Anton Nossik zu Wort.
Theater für Anfänger? Bundespressekonferenz in BerlinFoto von yakshini
Der Rheinische Merkur interviewt den auf Public Relations und Kommunikation spezialisierten Wissenschaftler Klaus Kock zu Aufstieg und Fall von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die Inszenierung in den Medien folgt althergebrachten kulturellen Codes wie der Tragödie, die häufig weder den Jounalisten noch dem Publikum gänzlich bewußt sind.
Ich will nicht behaupten, dass Journalisten alle voneinander abschreiben. Vielmehr haben sie die Geschichten verinnerlicht. Diese Geschichten dringen darauf, dass ihre eigene Logik erfüllt wird.
Die Akzeptanz der neuen Medien wächst weit langsamer als erwartet. Dies fand eine Studie der wirtschaftsnahen Iniative D21 heraus. Viele Deutsche nutzten nur einen Bruchteil der Möglichkeiten, welche die digitale Revolution biete. Die Studie Digitale Gesellschaft unterscheidet zwischen sechs Nutzergruppen – von digitalen Außenseitern bis digitaler Avantgarde. Gerade ältere Menschen wüßten wenig mit den Möglichkeiten des Netzes anzufangen.
Zwei der mächtigsten Medienkonzerne Europas, Springer und Ringier, wollen ihr Geschäft in Polen, Tschechien, Ungarn, Serbien und in der Slowakei in ein neues Gemeinschaftsunternehmen zusammenlegen: der Mediendeal des Jahres. Claudia Tieschky referiert in der Süddeutschen Zeitung das komplexe Vorhaben, das unter kartellrechtlichen Vorbehalten zu betrachten sei; in der deutschen Öffentlichkeit ist der enorme Einfluß von Springer in der Region wenig bekannt. Die neue Fusion sei ein Ausweichen vor dem deutschen Bundeskartellamt:
Das Auslandsgeschäft ist für Springer auch deshalb wichtig, weil der Konzern in Deutschland längst an seine kartellrechtlichen Grenzen gestoßen ist.
Wer die Sprache beherrscht, beherrscht das Denken. Das gilt - erstaunlicherweise - zwar nicht immer, aber doch in vielen Fällen. Der Kampf um politische Inhalte und Interessen ist demnach auch eine Auseinandersetzung um die Deutungshoheit von gesellschaftlichen Entwicklungen, meint Wolfgang Storz:
Politische Sprache ist Politik. Der Kommunikationswissenschaftler Anil Jain weist der Metapher im politischen Geschäft eine bedeutende Rolle zu: Sie sei im Diskurs »ein machtvoller Ort«. Bisher haben vor allem die Marktradikalen dieses Geschäft beherrscht. Aber das muss nicht so bleiben.
Gedruckte Medien landen in Archiven und deren einmal veröffentlichte Informationen bleiben somit in der Welt. Online-Medien lassen sich hingegen immer verändern und löschen. Auf sanften oder weniger sanften Druck verschwinden viele kritische Beiträge wieder - eine Gefahr für den kritischen Journalismus und die Pressefreiheit. Tina Klopp findet für die Zeit viele gravierende Fallbeispiele heraus.
Die Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich mit den fragwürdigen Geschäftspraktiken von Thalia. Es wird aufgeführt, wie die Profitgier des Konzerns die gesamten Branche ändert und schädigt.
Eine Feature von Michael Reitz über das Risiko von »Whistleblowern« in Deutschland; mutigen Menschen, die Mißstände in Politik und Wirtschaft aufdecken. Während diese in anderen Ländern gesetzlich geschützt sind, werden Whistleblower in Deutschland häufig gekündigt, wenn sie bespielsweise ihren Arbeitgeber anzeigen. Eine gesetzliche Neuregelung scheiterte im Bundestag.
Der Wandel der Medien ist in unserer Gesellschaft, in der die Verfügbarkeit und Vermittlung von Information einen so zentralen Stellenwert hat, eines der großen Themen unserer Zeit. Da jede Stellungnahme und Analyse einen Einfluss auf den Verlauf der Debatte hat und deren Teilnehmer in Wissenschaft und Medien meist mehr Akteur denn Beobachter sind, prägen Mythen und Projektionen den Diskurs. Im Vordergrund löst insbesondere die Digitalisierung Hoffnungen und Ängste aus, während eine durch beobachtende Distanz, also Kontemplation, geprägte Auseinandersetzung kaum ersichtlich ist.
Das Online-Lexikon Wikipedia ist eine Erfolgsgeschichte des Internets. Es hat die Utopie eines freien Zugangs zu Wissen für alle in die Tat umgesetzt und etablierte Lexika an Umfang und Nutzerzahlen in den Schatten gestellt. Mit der aufkommenden überfälligen Debatte um Relevanz von Wissen wächst dem Projekt sein Erfolg über den Kopf und stellt seinen offenen und demokratischen Anspruch in Frage.
Die »Piraten« sorgen neuerdings für Furore in der deutschen Parteienlandschaft. Erste Erfolge wie ihr Ergebnis bei der Wahl zum Europäischen Parlament, als sie aus dem Stand 0,9% der Stimmen errangen, oder der Übertritt des SPD-Bundestagsmitglieds Jörg Tauss sorgen nicht nur für ein breites Medienecho, sondern ließen auch die Mitgliederzahl seit Juli 2009 von etwa 1.000 auf über 8.000 explodieren. Es stellt sich daher die Frage, wofür diese Partei steht und wie es um ihre zukünftigen Perspektiven bestellt ist.
In massiver Weise wird in den letzten Jahren versucht, unabhängigen, kritischen Journalismus durch gekaufte Inhalte zu ersetzen. Je nach dem Ziel der Auftraggeber sind die Mittel dazu ganz unterschiedlich.