Presseschau

Ökonomische Theorie

Die Finanzkrise einfach erklären? Der amerikanisch-britische Geograf David Harvey hat es versucht. Unterstützt durch Comicanimationen vermag er so einen eigenständigen Blick auf die wirtschaftlichen Entwicklungen zu geben.

Dabei geht er auf die herkömmlichen Erklärungsmuster ein und präsentiert im Anschluss seine eigene, von Marx inspirierte Theorie. Erhellend und amüsant zugleich.

Philip Plickert erkennt eine Wiedergeburt der Ansichten von John Maynard Keynes zum staatlichen Verhalten in der Wirtschaftskrise. Die Regierung habe demnach die Aufgabe, mittels »deficit spending« die weggebrochene private Nachfrage zu kompensieren. Und das tut sie auch in zahlreichen Ländern.

Allerdings meint der Autor, nun sei es Zeit zum Umdenken, um die Staatsschulden nicht übermäßig in die Höhe zu treiben. Dabei beruft er sich auf einige wenig bekannte späte Texte des Ökonomen. Weiterlesen …

In der dreiteiligen Interviewreihe des Deutschlandfunk »Lehren aus der Hyperkrise« befragt Stefan Fuchs die Wirtschaftstheoretiker Heiner Flassbeck, Paul Jorison und Robert Skidelsky. Dadurch entsteht ein vielfältiges Bild der Erklärungen für die Finanzkrise. Weiterlesen …

Strandhäuser auf Long Island: »Das heißt, es hat zwar Gewinner gegeben bei den gesamten oberen 10 Prozent der Bevölkerung, wirkliche Gewinner sind aber nur das oberste Prozent und besonders das oberste Promille der US-Bevölkerung.«Foto von mairob

Die Gier der Manager ist schuld. Das System ist schuld. Diese Erklärungsmuster kritisiert der Elitenforscher Michael Hartmann, denn sie werden als unabänderliche Konstanten betrachtet, gegen die wenig getan werden kann, denn Gier ist etwas menschliches. In Wirklichkeit kann der Weg in die Krise nachvollzogen werden, da dieser von Interessen geleitet sei: Weiterlesen …

Mit dem provokanten Titel »Reformiert den Euro oder schmeißt ihn weg« beschreibt der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz die anstehende Gefahr für den Euro: Die Bedingungen, nach denen eine Einheitswährung funktioniert, sind nicht erfüllt. Weder gebe es – vergleichbar mit dem USA – eine ausreichende Mobilität auf dem Arbeitsmarkt, noch habe die EU die Möglichkeit, Staaten mit Problemen zu helfen.

Für die kleineren Länder der EU ist die Lektion eindeutig: Wenn sie ihre Haushaltsdefizite nicht reduzieren, besteht ein hohes Risiko für einen Spekulationsangriff, mit geringen Aussichten auf angemessene Unterstützung von ihren Nachbarn, zumindest nicht ohne schmerzhafte und kontraproduktive prozyklische Haushaltseinschränkungen.

Das Aufzwingen von Sparmaßnahmen sei jedoch ein großer Fehler; denn nicht die Defizitländer gefährden die globale Gesamtnachfrage, sondern diejenigen, welche Exportüberschüsse und Ersparnisse ansammeln. Weiterlesen …

Eine ganze Reihe von Publizisten ist seit den großen Finanzspritzen der westlichen Staaten der Meinung, im wirtschaftspolitischen Diskurs habe sich der Keynesianismus nun auf breiter Front durchgesetzt. Dem widerspricht Michael Jäger vehement: Tatsächlich handele es sich dabei lediglich um eine gewisse Anpassung der neoliberalen Vorstellungen. So sei nach wie vor der Glaube an die stimulierenden Effekte von Steuersenkungen weit verbreitet. Und von einer tatsächlichen Investitionstätigkeit des Staates, etwa im Sinn des sozial-ökologischen Umbaus, könne keine Rede sein.

Stefan Sasse konfrontiert den bundesrepublikanischen Gründungsmythos mit den historischen Fakten und stellt fest: Manches war ganz anders als gerne erzählt wird – und wundersam schon gar nicht. Dagegen wird das Ganze auch heute noch eifrig und erfolgreich für bestimmte politische Ziele instrumentalisiert, sei es in Bezug auf die Exportorientierung oder den zurückhaltenden Staat.

Eine Bilanz der Aktienmärkte

Die Sinnfrage nach dem volkswirtschaftlichen Nutzen der Börse
von Ilari Henry am 22. Februar 2010
Börse in São PauloFoto von rednuht

Frédéric Lordon setzt sich mit Funktion und Aufgabe der Aktienmärkte auseinander. Diese würden ihren Versprechen wie der Finanzierung von Unternehmen nicht gerecht, da beispielsweise in der Bilanz mehr Geld an die Aktionäre aus dem Unternehmenskapital zurückfließt als die Unternehmen durch die Aktienausgabe einnähmen. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Aktienmärkte sei ein Mythos. Dagegen richteten sie durch Renditedruck großen Schaden in der Realwirtschaft an.

Bulle und Bär

Rap-Battle zwischen John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek
von Caspar Bildner am 13. Februar 2010

Der Blog Think Tank Directory präsentiert auf seiner Webseite ein auf YouTube veröffentlichtes Video, in dem sich die beiden Ökonomen John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek eine musikalische Wortschlacht liefern.

Foto von Rich Anderson Flickr

»Peak Oil« ist eine zunehmend bekannte und etablierte Theorie, die besagt, dass sich aufgrund einigermaßen präzise berechenbarer Faktoren das Fördermaximum für Erdöl voraussagen läßt. Einige Anhänger meinen, dass dieser Zeitpunkt nun erreicht ist, mit gravierenden Folgen für die Wirtschaft und der Folge von Verteilungskämpfen. Der genaue Zeitpunkt, die erreichbare Fördermenge und die wirklich vorhandenen Reserven sind allerdings ein Politikum, wie Rainer Sommer auf Telepolis feststellt. Verantwortliche Politiker und Manager wollen es auch nicht so genau wissen oder aufgrund der negativen Rückwirkung auf die Wirtschaft ihr Wissen lieber für sich behalten, meint der Autor.